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"Eine Rezension des Buches von David F. Wells: "The Courage to be Protestant - Der Mut Protestant zu sein."

"Die Wahrheit"
Zwei Drittel der Amerikaner glauben nicht an eine absolute Wahrheit. Die Hälfte der Amerikaner ist der Überzeugung, dass die Bibel, der Koran und das Buch Mormon die gleichen Wahrheiten enthalten. In einer Umfrage Barnas im Jahre 2005, in welcher nach 7 Merkmalen von Spiritualität gefragt wurde, erreichte die Wahrheit den siebten und damit letzten Platz. „Diese Zahlen spiegeln sich in der Gemeinde wieder, und daher ist es keine Überraschung, wenn amerikanische Christen persönlichen Beziehungen einen hohen und biblischer Lehre einen niedrigen Stellenwert einräumen.“ (S.60)

Wells folgert, dass sich derzeit absolute Wahrheit und Moral in der Gesellschaft rasant auflösen, weil die Ausrichtung auf Gott als objektiver Bezugspunkt außerhalb von uns selbst aufgegeben wird. Der Maßstab für Richtig und Falsch, Gut und Böse ist in zunehmendem Maße der Mensch selbst, das „autonome Selbst“ (S.61), wie Wells es nennt. Hierbei handelt es sich nicht lediglich um Individualismus, sondern um den Individualismus in seiner postmodernen Ausprägung. Dieses neue postmoderne Selbstverständnis des Menschen prägt sein Wahrheitsverständnis: „...wie Menschen über die Wahrheit denken, wird stark davon beeinflusst, wie sie über sich selbst denken.“ (S.62)

Der Niedergang der Familie hat die Überlieferung von Werten nahezu zum Erliegen gebracht. Tradition ist ein Wort, das heute oft einen negativen Beiklang hat - was an sich schon vielsagend ist. Die Glaubensüberzeugungen früherer Traditionen gelten heute oft als überholt, selbst in mancher Gemeinde von heute. Das Ergebnis dieser Entwicklung ist, dass viele Kinder von einer Ersatz-Familie aufgezogen werden: Kinder werden von Kindern, vom Fernsehen, von den neuesten Trends, von der Kultur erzogen. Sie erhalten wenig Führung oder Wegweisung.

Die Aufklärung und der säkulare Humanismus griff die religiösen Institutionen an und war lange davon überzeugt, dass ihre Philosophie sich zum Guten der Menschheit durchsetzen würde; bis in die 1970er Jahre war diese optimistische Überzeugung ungebrochen. Doch in den 1990er Jahren bezeichneten sich überraschenderweise 78 Prozent der Amerikaner als „spirituell“ - scheinbar eine Trendwende weg vom humanistischen Rationalismus. Allerdings, so Wells, fehlt es dieser neuen „Spiritualität“ an Bezugspunkten. Die Menschen glauben nicht an einen absoluten Gott oder absolute Werte außerhalb von sich selbst, sondern sie sind der Überzeugung: „... was heilig ist, findet man in sich selbst, untrennbar vom menschlichen Selbst.“ (S.69)

Der postmoderne Spirituelle sieht alles im Fluss; keine Wahrheit ist absolut oder autoritativ, alles ist subjektiv. Der alte Individualismus glaubte an den Wert des Individuums und daran, dass das Individuum wichtiger als die Gesellschaft sei. Die neue postmoderne Art des Individualismus, „welche eine besondere Affinität zur therapeutischen Kultur hat, geht von der Annahme aus, dass alle Menschen im Grunde über einzigartige Intuitionen und Gefühle verfügen, die sie zum Ausdruck bringen sollen“ (S.70). Das Offenlegen der Gefühle hat in vielen Talkshows Hochkonjunktur. Über Sünde, Schuld oder absolute Maßstäbe hingegen wird selten oder gar nicht diskutiert.

Wells wirft die Frage auf: „Was geschieht in einer Welt, in welcher wir in einem gewissen Sinn unsere eigene Realität schaffen, ohne einen Gott oder eine Wahrheit, welche außerhalb von uns ist, zu berücksichtigen?“ (S.71) Seine Antwort ist, dass die Menschen, welche Gott und die Wahrheit verwerfen, keineswegs an nichts glauben; im Gegenteil, statt nichts zu glauben, glauben sie jetzt alles. Da alles nicht wahr sein kann, wird man letztlich auf die Frage zurückgeworfen: Was ist Wahrheit?

Im Mittelalter wurde die klassische Definition auf die Frage nach der Wahrheit so beantwortet: „Wahrheit ist der Zusammenhang zwischen einem Objekt und unserer Erkenntnis darüber“ (S.72). Eine Aussage erweist sich als „wahr“, wenn das Gesagte mit dem Objekt übereinstimmt. Dies setzt voraus, dass die Welt außerhalb von uns objektiv und erfahrbar sein muss, und nicht wie bei östlichen Religionen oder Philosophien nur das Gebilde unserer eigenen Vorstellung. Ferner, der Mensch muss Fakten und Abläufe des Lebens objektiv erkennen und erfassen können, obgleich er fehlbar ist. Seit Jahrzehnten wird diese Objektivität der menschlichen Erkenntnis in Frage gestellt.

Die christliche Lehre der Wahrheit geht von der Grundlage aus, dass Gott in seinem biblischen Wort eine absolute Wahrheit offenbart hat und dass der Mensch Gott und die Wahrheit erkennen kann. Zweifellos waren die menschlichen Autoren der Bibel fehlbar. Indessen war es das unfehlbare Werk des Heiligen Geistes, der diese fehlbaren Menschen als Werkzeuge benutzte, um die Heilige Schrift zu überliefern. Diese Offenbarung Gottes war und ist und bleibt die Wahrheit.

Mit Jesus Christus schenkt Gott dem Menschen die umfassende Offenbarung der Wahrheit, die zuvor nur teilweise gegeben war. Durch die Verkündigung der Apostel wurde diese objektive Wahrheit in die Welt getragen. Sie verkündigten nicht, was ihnen als Wahrheit erschien, sondern sie heroldeten die Wahrheit allen Menschen. Trotz der theologischen Debatten um verschiedene biblische Lehrfragen, wurde die grundsätzliche christliche Überzeugung einer übernatürlichen Offenbarung von Gottes Wahrheit durch die Schrift niemals in Frage gestellt.

Wie keine evangelikale Bewegung jemals zuvor stellt aber gerade die seit Jahren wachsende Strömung der Emerging Church diese grundsätzliche Überzeugung in Frage. Für deren Vertreter gibt es keine festen, absoluten Maßstäbe. Niemand kann wirklich wissen, was Wahrheit ist. Wahrheit kann der Mensch nur in seinem Inneren erfahren. Wells betont, dass das Selbstzeugnis der Bibel für sich beansprucht, dass die Heilige Schrift die Wahrheit ist - die ganze Wahrheit, ein für allemal. Die Schrift ist die Wahrheit über Gott, die Erlösung und das Wesen des Menschen. Die Schrift ist nicht eine unter vielen Wahrheiten, sie ist die Wahrheit, sie ist die Stimme Gottes durch den Heiligen Geist.

Die Gemeinde war seit ihren Anfängen eine lernende Gemeinschaft, in welcher die Wege und das Wesen Gottes gelehrt wurden, dem es zu gehorchen galt. Doch in vielen modernen evangelikalen Gemeinden fehlt eine solche Unterweisung oftmals. Wells sieht eine Ursache für diese Entwicklung in der Schwächung der Lehre der Inspiration und Autorität der Schrift in einigen evangelikalen Kreisen. Vertreter der Emerging Church wie Brian McLaren, Rob Bell und andere - welche sich nach Wells dem postmodernen, kulturellen Zeitgeist unterworfen haben - verneinen eine objektive, absolute Wahrheit und propagieren die Subjektivität und Innerlichkeit einer nur noch subjektiv erfahrbaren Wahrheit.

Wells beobachtete, dass der Zuhörer in vielen modernen westlichen Gemeinden von heute den Eindruck bekommen muss, dass es nur noch am Rande um die Wahrheit geht. „Beim Christentum geht es nur darum, dass wir uns selbst besser fühlen, dass wir unsere Schwierigkeiten überwinden, dass unsere Bedürfnisse gestillt werden, dass wir bessere Beziehungen schaffen... dass wir reicher werden, dass wir unsere eigenen kleinen Wunder empfangen... Es geht um alle möglichen Dinge, nur nicht um die Wahrheit. Und doch ist es gerade die Wahrheit in Christus, in der wir einen festen Stand finden können, um unser komplexes Leben zu meistern.“ (S.88)

Wer den Samen der Wahrheit in sich aufnimmt, aber nicht bereit ist, diese Wahrheit zum Zentrum seines Lebens, Denkens und Handelns zu machen, mag als „Bekehrter“ erscheinen, doch sein Leben wird durch die Wahrheit nicht umgekrempelt. Derartige „Bekehrte“ gibt es nach Ansicht Wells im heutige Amerika viele. Wells plädiert dafür die Schrift wieder als eine Stimme aus der Ewigkeit zu vernehmen, die Stimme unseres Erlösers, und daran festzuhalten (S.90). Der Same des Wortes muss wieder in die Tiefe unserer Herzen fallen und dort Wurzeln schlagen können und darf nicht an der Oberfläche unter Steinen oder Unkraut vergehen.

Die Gemeinden sieht Wells hier in die Pflicht genommen. Zu viele Gemeinden waren auf kurzfristige Erfolge statt auf langfristige geistliche Frucht ausgerichtet. „Die Gemeinde muss sich zwei Dinge besonders vor Augen halten: Erstens, beim Christentum geht es um Wahrheit, und zweitens, jene, die von sich sagen, sie seien Christen, müssen diese Wahrheit durch ihre Integrität nach außen sichtbar werden lassen“ (S.92). Weil das zu häufig nicht geschieht, erstaunt es nicht, dass nur 32 Prozent aller Christen in den USA, welche sich als „wiedergeboren“ bezeichnen, an eine absolute Wahrheit oder Moral glauben. Nicht selten unterscheidet sich die Gruppe der „Wiedergeborenen“ nur wenig von den Menschen der Welt ohne Glaubenshintergrund.

54 Prozent der gesamten amerikanischen Bevölkerung glaubt, dass man Wahrheit durch Erfahrungen finden kann, anstatt in Büchern wie der Bibel. Dies spiegelt die relativistische Sichtweise der westlichen Welt wieder. Wenn man die postmoderne Welt mit der Botschaft der Wahrheit des Evangeliums erreichen will, wird man dies nicht mit einem Christentum ohne Profil erreichen, so Wells. Die christliche Wahrheit kann und darf der Kultur nicht angepasst werden. Die Urgemeinde wurde von der Wahrheit geprägt, wie sie von den ersten Aposteln verkündigt wurde, und sie wurde dazu aufgerufen, diese Wahrheit zu bewahren und in ihr zu leben.

„Wahrheit und Integrität liegen eng beieinander. Alles, was nicht in der Wahrheit ist, wird zu einem Spielball von Macht und Manipulation“ (S.95). Wenn die Wahrheit schwindet, treten persönliche Ziele, Ideale von Gemeinschaften, Redekunst, Übertreibungen und Machthunger an deren Stelle. Wenn Wahrheit verloren geht, gedeiht die Lüge, die sich sehr religiös geben kann. Wells plädiert für eine Gotteserkenntnis und eine Erkenntnis der Wahrheit, welche den ganzen Menschen in seinem inneren und äußeren Leben erfasst, so dass er ein leuchtendes Zeugnis in der heutigen Gesellschaft werden kann.

"Gott"

Die biblischen Autoren bekräftigen, dass der dreieinige Gott im Mittelpunkt allen Lebens steht. Die marktorientierten Evangelikalen und die Vertreter der Emerging Church sind der Ansicht, dass sie die postmoderne Welt nur erreichen können, wenn sie sich der postmodernen Kultur anpassen. In diesem Anpassungsprozess wurde gleichwohl Gott aus dem Mittelpunkt gedrängt. Aus dem reformatorischen sola scriptura (allein die Schrift) wurde zu leichtfertig sola cultura (allein die Kultur) gemacht, so Wells.

Seine Antwort darauf lautet: „Das Zentrum ist verloren gegangen. Wir haben unsere Fähigkeit verloren, es zu erkennen, uns vor ihm zu beugen, unser Leben in diesem Licht auszurichten... in der Gegenwart dieses Zentrums, dieses Einzigartigen, dieses dreieinigen Gottes, dieses heiligen und lebendigen Gottes der Bibel.“ (S.99)

Das postmoderne Denken setzt sich ferner nicht länger mit der Existenz des Bösen auseinander. Allenfalls wird das Böse „privatisiert“ - es wird einfach zu dem gemacht, was mir persönlich nicht gut tut. Sünde ist für den postmodernen Menschen bedeutungslos. Doch aus biblischer Sicht geht die Vorstellung von Sünde weiter als der Begriff des Bösen. Sünde setzt den Menschen in eine Beziehung zu Gott. Sünde richtet sich letztlich gegen Gott selbst und gegen seine Autorität über alles Leben.

Sünde ist Rebellion gegen Gott. Nur 17 Prozent der Amerikaner erkennen diesen Zusammenhang von Sünde und Gott an. Dennoch sind es immer Gottes Gebote, Gottes Ordnungen, Gottes Grenzen, welche übertreten werden. Sünde bedeutet immer, dass eine Person sich Gott nicht unterwerfen will. Diesem Willen zum Ungehorsam liegt der menschliche Stolz zugrunde. „Wir bilden uns ein, dass in uns selbst genug Kraft, Weisheit und Stärke ist, um in Sicherheit und Glück zu leben, so wie wir leben wollen...“ (S.103)

Erst wenn der Mensch wieder erkennt, dass die Sünde seine Beziehung zu Gott und damit zu allen seinen Mitmenschen zerstört, wird ihm bewusst werden, dass das Zentrum seines Lebens zugrunde gegangen ist. Eigentlich ist es nicht das Zentrum, also Gott, das verloren gegangen ist, sondern es ist der Blick des Menschen, der das Zentrum aus den Augen verloren hat. Die Ursache für diesen Zustand ist die Sündhaftigkeit des Menschen, der Gott aus dem Mittelpunkt verdrängt und das eigene Selbst auf den Thron setzen will.

Wo immer Gott aus dem Mittelpunkt des menschlichen Lebens verbannt wird, entsteht eine Leere im Menschen. Das Zeitalter der Aufklärung verdrängte Gott und wollte dem Menschen die Freiheit bringen; unter Freiheit verstand der aufgeklärte Mensch, dass man niemandem als sich selbst verantwortlich war.

Die so gewonnene Freiheit ließ vermeintlich freie Menschen zurück, die dennoch verwirrt und orientierungslos waren. In den 1960er Jahren kam es zu einer Revolution und Abkehr vom Rationalismus. Die Gesellschaft wandte sich zunehmend einer subjektiven Innerlichkeit zu. Die objektiven, rationalen Maßstäbe wurden durch einen subjektiven Relativismus ersetzt. Verstand und Vernunft wurden durch Intuition, Gefühle und Erfahrungen ersetzt.

Der Mensch spürte tief in seinem Inneren, dass er für etwas geschaffen wurde. Weder der Rationalismus noch der Materialismus konnten seine Sehnsüchte erfüllen; und auch die Suche nach Erfüllung durch das eigene Selbst wird die Suche nicht zu einem guten Ende führen.

„Wir sind im Bilde Gottes geschaffen und daher ist unser Geist ruhelos inmitten des Ersatzparadieses, das wir die westliche Welt nennen. In der Tat, wie Augustinus richtig beobachtete, er wird ruhelos bleiben, bis er seine Ruhe in Gott, seinem Schöpfer, gefunden hat“ (S.108). Die Kultur der westlichen Welt ist zu einem Gottesersatz geworden, der die Menschen ohne göttliche Prinzipien zurücklässt.

Eine Kultur ohne Zentrum ist eine Kultur des Relativismus. Für Wells ist die Folge einer solchen Kultur, dass das Selbst des Menschen beginnt, an Charakterfestigkeit zu verlieren. Das Selbst des Menschen verändert sich, passt sich an, unterliegt einem Wandel. In diesem Prozess geht die Beständigkeit und Integrität einer Person verloren. Wells veranschaulicht diesen Wandel an der Ehe.

In früheren Zeiten galt das Eheversprechen, in guten wie in schlechten Zeiten zum Partner zu halten, obwohl weder Mann noch Frau wussten, was die Zukunft bringen würde. Ein Wort oder ein Versprechen wurde gegeben und eingehalten. Auch der Alltag mit all seinen Problemen, Nöten, Missverständnissen, Verletzungen usw. konnte daran nichts ändern.

Menschen mit Charakter handeln immer in der gleichen Weise, egal vor welchen Schwierigkeiten sie stehen. Die Postmoderne brachte einen tiefgreifenden Wandel. Ein unveränderliches Selbst mit festen Prinzipien oder ein absoluter Gott im Zentrum des Lebens waren nicht mehr zeitgemäß. Alles, auch das Selbst des Menschen, wurde relativ und veränderlich. Kein Wunder, dass die Institution Ehe als erstes darunter leiden musste, weil charakterliche Beständigkeit verloren ging.

Eine Gefahr der Postmoderne sieht Wells in der Auffassung, dass man Gott entweder „innen“ oder „außen“ wahrnimmt. Doch seiner Ansicht nach kennt der christliche Glaube diesen Unterschied nicht. „Kein frommer Israelit des Alten Testaments oder ein Gläubiger des Neuen Testaments hätte jemals daran gezweifelt, dass Gott in der Welt allgegenwärtig und in der Lage ist, zu tun, was Er will“ (S.121). Gott ist der Herrscher und Bewahrer seiner Schöpfung, und dennoch wohnt Er auch in jedem Gläubigen.

Um innere Stabilität für ein desintegrierendes Selbst zu schaffen, bedarf es eines neuen Zentrums. Die private Spiritualität, die sehr subjektiv und relativistisch ist und sich nicht an moralischen Werten oder absoluten Maßstäben orientiert, hat diese Funktion bei vielen Menschen übernommen. Erfahrungen, Erlebnisse und das innere Selbst sind an die Stelle göttlicher Offenbarung getreten - die Bibel wird nicht länger benötigt. Die Bibel hingegen warnt davor, Gott alleine in unserem Selbst zu finden, weil unser Selbst verdorben ist. Gott ist sowohl in einem wahren Christen als auch außerhalb von ihm – hoch erhoben und heilig.

Wells folgert, dass die Existenz eines heiligen Gottes konsequenterweise ein moralisches Gesetz voraussetzt. Diese moralischen Normen spiegeln den heiligen Charakter Gottes wieder. Wären wir ohne Gewissen und Gottes Moralgesetz, würden wir nicht mehr zwischen Gut und Böse unterscheiden können. Ferner, ohne die Heiligkeit Gottes gäbe es keine Sünde. Sünde richtet sich stets gegen Gott, und wenn die Menschen dies erkennen, sind sie bereits auf dem Weg zurück in die Realität Gottes. Gott ist nicht nur im Innern. Er ist auch der heilige Gott, der außerhalb und über seiner Schöpfung thront.

Ohne die Heiligkeit Gottes hätte das Kreuz seinen Sinn verloren. Christus war kein Sozialreformer oder Humanist. Diese liberale Sichtweise ist unbiblisch. Das Kreuz war kein Zufall, sondern Gottes ewiger Ratschluss. Gottes Gericht ist, so Wells, eine weitere Folge eines heiligen Gottes. „Die Lehre von Gottes Gericht sollte der Gemeinde nicht unangenehm sein. Dies ist nicht einfach eine negative Lehre. Sie ist in tiefer Weise positiv“ (S.130). In dieser Welt triumphiert oft das Böse; doch Gottes Endgericht wird alle Ungerechtigkeiten beseitigen und Gerechtigkeit herstellen.

Letztlich glaubt Wells, dass die Gemeinde, die von neuem die Heiligkeit Gottes erkennt, zutiefst verändert wird. „In einer Umfrage zur Heiligkeit Gottes gaben lediglich 7 Prozent der Amerikaner an, dass Heiligkeit ein Wesenszug Gottes ist. Obwohl 72 Prozent von sich sagten, sie hätten ihr Leben Gott gegeben und 71 Prozent von sich sagen, ihr Glaube sei ihnen sehr wichtig und weitere 60 Prozent sagen, dass sie sich als tiefgläubig einschätzen, kommen nur 16 Prozent zu dem Schluss, dass ihr Glaube die höchste Priorität in ihrem Leben darstellt.“ (S.131)

Wells sieht Ähnlichkeiten, wenn er die heutige Situation der amerikanischen Christenheit mit Israels Geschichte vergleicht. Die Israeliten hatten das mosaische Gesetz, den Tempel und die Propheten und lebten doch oftmals tief im Heidentum. Sie erschienen nach Außen hin sehr fromm und waren religiös, und dennoch wollten sie nicht auf die Stimme eines heiligen Gott hören. Es fehlte ihnen der Sinn für die Heiligkeit Gottes, der ihr Leben und ihr Herz erfasste.

Wells ist überzeugt, dass wir unsere Sünden und Kompromisse ernster nehmen würden, wenn wir Gott in der Fülle seiner herrlichen Reinheit klarer erblicken würden. Gott will sich uns selbst offenbaren und uns mehr segnen, als wir es uns vorstellen können; Er will, dass wir Ihn erkennen, denn sonst versinken wir in der Bedeutungslosigkeit dieser Welt.


"Eine schreckliche Wahrheit" - ein Wort von Paul Washer

"Wenn sie einfach nur wissen wollen warum ich glaube, dass die Bibel das Wort Gottes ist, dann sage ich etwas sehr einfaches. Weil ich sie gelesen habe. Und als ich sie las, sah ich, dass es sich um ein Buch handelt, wie es kein zweites gibt. Die Dinge, die sie sagt, ihre Wahrheiten, was sie über den Menschen sagt, was sie über Kultur sagt, was sie über das Böse sagt, alles in ihr zeugt von ihrer Wahrheit." (Paul Washer)


"Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn nicht, so hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, um euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin. Wohin ich aber gehe, wisst ihr, und ihr kennt den Weg.

Thomas spricht zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst, und wie können wir den Weg kennen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich! Wenn ihr mich erkannt hättet, so hättet ihr auch meinen Vater erkannt; und von nun an erkennt ihr ihn und habt ihn gesehen." (Joh. 14,1-7)

"Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hasst sie; denn sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in deiner Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit.
 
Gleichwie du mich in die Welt gesandt hast, so sende auch ich sie in die Welt. Und ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in Wahrheit. Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben werden, auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; auf dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast." (Joh. 17,14-21)

"Die Wahrheit wird geopfert, ...

wenn absolute Werte dem Relativismus weichen müssen,
wenn Gehorsam vor Pragmatismus kapituliert,
wenn biblische Lehre dem interreligiösen Dialog platz macht,
wenn „So spricht der HERR“ weniger zählt als der Konsens der Meinungen,
wenn man nicht länger die Schrift heranzieht, um zwischen richtig und falsch zu entscheiden,
wenn Einheit und Toleranz um jeden Preis angestrebt wird,
wenn der schmale Weg verlassen und der breite Weg eingeschlagen wird."