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Von C. H. Spurgeon

Vielen scheint der Glaube etwas Schweres zu sein. In Wirklichkeit ist er nur schwer, weil er leicht ist. Der syrische Hauptmann Naeman hielt es für unter seiner Würde, dass er sich im Jordan waschen sollte. Das war ihm zu einfach. Aber wenn es etwas Großes und Schwieriges gewesen wäre, so hätte er es bereitwillig getan.

Viele Leute meinen, die Errettung müsse das Ergebnis irgendeines sehr geheimnisvollen und sehr schwierigen Tuns oder Gefühls sein; aber Gottes Gedanken sind nicht unsere Gedanken, und unsere Wege sind nicht Seine Wege. Damit die Schwächsten und Unwissendsten errettet werden können, hat Er den Weg des Heils so leicht wie das ABC gemacht. Da aber jedermann erwartet, etwas Kompliziertes vollbringen zu müssen, sind viele ganz überrascht, wenn sie feststellen, dass der Glaube so außerordentlich leicht ist.

Unser Problem besteht darin: Wir glauben nicht, dass Gott meint, was Er sagt; wir handeln, als könne es nicht wahr sein. Ein Sonntagsschullehrer hat zu erklären versucht, was Glaube sei; und da er es den Kindern nicht begreiflich machen konnte, nahm er seine Uhr heraus und sagte: »Nun, ich will dir diese Uhr geben, Johann; willst du sie haben?« Der Knabe erwiderte in höflicher Bescheidenheit: »Ich danke Ihnen.« Der Lehrer wandte sich noch an mehrere Schüler – mit demselben Erfolg.

Einer der Jüngsten, der nicht so weise oder nachdenkend war wie die anderen, dafür aber gläubiger, sagte schließlich in der natürlichsten Weise: »Vielen Dank!« und steckte die Uhr in seine Tasche. Da merkten die Jungen erschrocken, dass ihr Freund eine Uhr erhalten hatte, die sie ausgeschlagen hatten. Einer von ihnen fragte gleich den Lehrer: »Darf er sie behalten?« »Natürlich darf er das«, antwortete der Lehrer, »ich habe sie ihm angeboten, und er hat sie genommen.

Ich würde doch nicht etwas geben und dann wieder nehmen. Das wäre nicht Recht. Ich habe euch die Uhr angeboten, aber niemand wollte sie haben.« – »Wenn ich gewusst hätte, dass Sie es ernst meinten, hätte ich sie auch genommen«, sagte der Junge. Er hatte es für Schauspielerei und nichts weiter gehalten. Auch alle anderen Schüler ärgerten sich sehr, dass sie die Uhr verloren hatten. »Ich wusste nicht, dass Sie es so meinten, sondern ich dachte ...« – niemand nahm das Geschenk, aber jeder dachte. Jeder hatte seine Theorie, mit Ausnahme des Jungen, der einfältig glaubte, was ihm gesagt wurde, und der dann auch die Uhr erhielt.

Ich wünschte, ich könnte immer so einfach Kind sein und wörtlich glauben, was der Herr sagt. Ich möchte nehmen, was Er mir schenken will, und mich damit zufrieden geben, dass Er nicht mit mir spielt und dass es nicht Unrecht sein kann, das anzunehmen, was Er mir im Evangelium anbietet. Aber wir wollen um jeden Preis denken und zweifeln. Wenn Suchende die Bibel beim Wort nehmen und sehen, dass Jesus wirklich für alle gekommen ist, die Ihm vertrauen, so verschwindet jede Schwierigkeit beim Verständnis des Heils wie der Morgentau beim Aufgang der Sonne.

Zwei Schwestern kamen einmal zu mir. Sie hatten nur kurze Zeit das Evangelium von mir gehört, aber es hatte einen tiefen Eindruck auf sie gemacht. Sie bedauerten, dass sie bald weit fortziehen mussten, und wollten mir für das danken, was sie gehört hatten. Darüber freute ich mich, aber ich wünschte sehr, dass mehr in ihnen gewirkt wäre, und fragte sie deshalb: »Glauben Sie in Wahrheit an den Herrn Jesus Christus? Sind Sie errettet?« Die eine von ihnen erwiderte: »Ich habe versucht zu glauben.«

Diese Behauptung habe ich oft gehört, aber ich werde nie jemanden ohne Widerspruch damit durchkommen lassen. »Nein«, sagte ich deshalb, »das geht nicht; haben Sie je zu Ihrem Vater gesagt, Sie versuchten, ihm zu glauben?« Nachdem ich eine Zeit lang bei dieser Sache verweilt hatte, räumte sie ein, dass eine solche Aussage eine Beleidigung für ihren Vater wäre. Ich stellte ihnen das Evangelium in so einfachen Worten wie ich nur konnte sehr deutlich vor Augen und bat sie, Jesus zu glauben, der mehr Vertrauen verdiene als der beste Vater. Eine von ihnen erwiderte: »Ich kann nicht wirklich glauben, dass ich errettet bin.«

Darauf entgegnete ich: »Gott bezeugt von Seinem Sohn, dass, wer Ihm vertraut, errettet ist. Wollen Sie Ihn jetzt zum Lügner machen, oder wollen Sie Seinem Wort glauben?« Während ich so sprach, fuhr die eine ganz erstaunt auf und überraschte uns alle, indem sie ausrief: »Oh, ich sehe alles; ich bin errettet. Oh, danken Sie Jesus für mich; Er hat mir den Weg gezeigt! Ich sehe alles.« Die Dame, die diese jungen Freundinnen zu mir gebracht hatte, kniete mit ihnen nieder, während wir von ganzem Herzen den Herrn für einen Menschen lobten, der zum Licht durchgedrungen war. Eine der beiden Schwestern konnte jedoch das Evangelium nicht in Anspruch nehmen, wie es die andere getan hatte.

Das Problem ist dies: Die Wahrheit ist immer deutlich, aber manche Menschen schauen nach »Zeichen und Wundern« aus und sehen deshalb nicht, was ihnen so nahe liegt. Alte Leute suchen oft nach einer Brille, wenn sie auf ihrer Nase sitzt; und genauso oft geschieht es, dass wir das nicht sehen, was gerade vor uns ist. Jesus Christus ist vor unseren Augen, und wir haben nur Ihn anzusehen und zu leben; aber wir verwirren diese Tatsache auf jede nur mögliche Weise und machen ein Labyrinth aus dem, was ein ebener Weg ist.

Eine sehr angesehene Frau kam eines Sonntagmorgens nach dem Gottesdienst zu mir, um mir die Hand zu schütteln, »denn«, sagte sie, »ich bin an demselben Tage wie Sie fünfzig Jahre alt geworden. In diesem Punkt bin ich Ihnen gleich; aber in anderer Hinsicht bin ich gerade das Gegenteil von Ihnen.« Ich bemerkte: »Dann müssen Sie eine sehr gute Frau sein, denn ich möchte auch in vielen Dingen das Gegenteil von dem sein, was ich bin.« »Nein, nein«, sagte sie, »mit mir steht es überhaupt nicht, wie es stehen sollte.«

»Glauben Sie nicht an den Herrn Jesus?«, fragte ich. »Ach«, sagte sie bewegt, »ich, ich will es versuchen.« Ich ergriff ihre Hand und sagte: »Sie werden mir doch nicht sagen wollen, dass Sie versuchen, dem Herrn Jesus zu glauben? Das könnte ich nicht ertragen. Das ist reiner Unglaube. Was hat Er getan, dass Sie in dieser Weise von Ihm reden? Würden Sie mir sagen, dass Sie versuchen wollten, mir zu glauben? Ganz gewiss würden Sie mich nicht so grob behandeln. Sie halten mich für einen aufrichtigen Mann und glauben mir ohne Vorbehalte; wie wagen Sie es, den Herrn Jesus anders zu behandeln?« Da rief sie unter Tränen aus: »Beten Sie für mich!«

Darauf erwiderte ich: »Ich habe nicht das Gefühl, dass ich das für Sie tun kann. Was kann ich von dem Herrn Jesus für jemand erbitten, der Ihm nicht trauen will? Ich weiß nicht, wofür ich beten könnte. Wenn Sie Ihm glauben wollen, werden Sie errettet werden; und wenn Sie Ihm nicht glauben wollen, so kann ich Ihn nicht bitten, einen neuen Weg zu erkunden, um Ihren Unglauben zu befriedigen.« Sie sagte darauf wieder: »Ich will versuchen zu glauben«; aber ich antwortete ihr sehr ernst, dass mir ihr Versuchen nicht genüge; denn die Botschaft von dem Herrn Jesus enthielte nichts von »versuchen«, sondern hieße: »Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du selig!«

Eindrücklich machte ich ihr klar: »Wer an Ihn glaubt, der hat das ewige Leben«, und den schrecklichen Gegensatz: »Wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.« Ich drängte sie zum vollen Glauben an den gekreuzigten und zum Himmel aufgefahrenen Herrn, und der Heilige Geist ermöglichte es ihr, nun sofort zu glauben. Sie sagte nachdenklich: »Ich habe immer auf meine Gefühle gesehen, und das ist mein Irrtum gewesen!«

Sie fand Frieden durch den Glauben; denn es gibt keinen anderen Weg. Es hat Gott gefallen, das zum Leben Notwendige zu etwas sehr Einfachem zu machen. Wir müssen essen; und selbst ein Blinder kann den Weg zu seinem Mund finden. Wir müssen trinken; und selbst das kleinste Kind kann es ohne Anleitung tun. Wir haben eine Pumpe im Garten unseres Waisenhauses, und bei heißem Wetter gehen die Jungen von selbst zu ihr. Wir haben keine Klasse um pumpen zu lernen.

Viele arme Jungen sind zu unserem Waisenhaus gekommen, aber nie war einer so unwissend, dass er nicht hätte trinken können. Nun, der Glaube ist im Geistlichen, was Essen und Trinken im Leiblichen sind. Durch den »Mund« des Glaubens nehmen wir die Segnungen der Gnade in unsere geistliche Natur auf, und sie werden dadurch unser Eigentum. Wenn ihr glauben wollt, aber meint, dass ihr es nicht könnt: Seht ihr nicht, dass man zum Essen keine Kraft braucht, sondern durch das Essen Kraft erhält? So können wir auch Jesus ohne Anstrengung aufnehmen und dadurch, dass wir Ihn aufnehmen, Kraft empfangen für alle weiteren Anstrengungen, die von uns gefordert werden könnten.

Der Glaube ist eine so einfache Sache, dass ich jedesmal, wenn ich ihn zu erklären versuche, Angst habe, ihn zu kompliziert darzustellen. Als Thomas Scott seine Bemerkungen zu der »Pilgerreise« hatte drucken lassen, fragte er eine Frau aus unserer Gemeinde, ob sie das Buch verstände. »Oh ja«, sagte sie, »Bunyan verstehe ich ganz gut, und ich hoffe, eines Tages durch die göttliche Gnade auch Ihre Erklärung verstehen zu können.«

Würde es mich nicht treffen, wenn einer meiner Leser wüsste, was der Glaube ist, und dann durch meine Erklärung verwirrt würde? Ich will trotzdem einen Versuch wagen und bitte den Herrn, dass Er ihn deutlich mache. Mir ist erzählt worden, dass das Nutzungsrecht eines Privatweges strittig war: Der Eigentümer wünschte sein Recht zu wahren, wollte aber andererseits Passanten die Möglichkeit geben, diesen Weg zu benutzen.

Daher ersann er eine Möglichkeit, die folgenden Vorfall veranlasste: Ein Wanderer, der ein kleines Mädchen an dem Tor stehen sah, ging zu ihm und bot ihm einen Schilling, wenn es ihn durchlassen wolle. »Nein, nein«, sagte das Kind, »ich darf nichts von Ihnen nehmen, aber Sie müssen sagen: ›Bitte erlaube mir, durchzugehen!‹ Dann können Sie gerne durchgehen.« Um die Erlaubnis musste gebeten werden; es war also nichts als die Bitte nötig.

Genauso bekommen wir das ewige Leben umsonst, ja, wir sollen es unmittelbar bekommen, wenn wir dem Wort dessen vertrauen, der nicht lügen kann. Vertraue Christus, und du wirst durch dieses Vertrauen das Heil und das ewige Leben erlangen. Philosophiere nicht, und zerbrich deinen armen Kopf nicht durch Grübeleien. Glaube Jesus, gerade wie du deinem Vater glauben würdest!

Der Glaube wird dir nicht lange als etwas Schwieriges erscheinen; er sollte es auch nicht, denn er ist sehr einfach. Glauben heißt vertrauen; ganz auf die Person, das Werk, das Verdienst und die Macht des Sohnes Gottes vertrauen. Manche denken, dieses Vertrauen sei schwierig; aber es ist in Wirklichkeit die einfachste Sache, die es nur geben kann. Für einige von uns sind Wahrheiten, die früher schwer zu glauben waren, jetzt Tatsachen, an denen zu zweifeln uns schwerer werden würde.

Wenn einer unserer Urgroßväter von den Toten auferstände und in unsere heutige Zeit käme, wie viel Vertrauen hätte er nötig! Er würde morgens früh sagen: »Wo sind Stahl und Stein? Ich möchte ein Licht anzünden«; und wir würden ihm eine kleine Schachtel geben mit winzigen Holzstückchen darin und ihm sagen, er solle eins davon an der Schachtel anzünden. Er müsste sehr viel Vertrauen aufbringen, um zu glauben, dass auf solche Weise Feuer erzeugt werden könne.

Wir würden ihm dann sagen: »Da du jetzt Feuer hast, drehe diesen Hahn, und zünde das Gas an!« Er versteht uns nicht; denn er kann nicht begreifen, wo das Licht herkommen soll. »Komm mit uns, Großvater! Setz dich in diesen Stuhl! Sieh auf den Kasten gerade vor dir, du wirst gleich ein Bild von dir haben.« – »Nein, Kind«, würde er sagen, »das ist lächerlich. Die Sonne soll mein Porträt zeichnen? Ich kann es nicht glauben.« – »Ja, und du kannst ohne Pferde acht Meilen in einer Stunde fahren.«

Er will es nicht glauben, bis wir ihn zum Zug bringen. »Mein lieber Herr, Sie können mit Ihrem Sohn in New York sprechen, und er wird Ihnen antworten.« – Würden wir nicht den alten Herrn in Staunen versetzen? Würde er nicht all seinen Glauben notwendig haben? Dennoch glauben wir diese Dinge ohne Mühe, weil die Erfahrung uns damit vertraut gemacht hat. Glaube scheint euch sehr schwierig, weil Dinge euch fremd sind.

Weil wir das neue Leben begonnen haben und mit geistlichen Wirklichkeiten vertraut sind, ist es für uns ganz einfach. Wir haben einen Vater, mit dem wir sprechen, und Er hört uns; wir haben einen Heiland, der unsere Wünsche kennt und uns im Kampf gegen die Sünde hilft. Es ist alles deutlich für den, der versteht. Möge es dir jetzt deutlich sein!

(Auszug aus dem Buch "Die Tür ist offen" von C.H.Spurgeon, erschienen im CLV Verlag)


"So werft nun eure Zuversicht nicht weg, die eine große Belohnung hat! Denn standhaftes Ausharren tut euch not, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung erlangt. Denn noch eine kleine, ganz kleine Weile, dann wird der kommen, der kommen soll, und wird nicht auf sich warten lassen. »Der Gerechte aber wird aus Glauben leben«; doch: »Wenn er feige zurückweicht, so wird meine Seele kein Wohlgefallen an ihm haben«. Wir aber gehören nicht zu denen, die feige zurückweichen zum Verderben, sondern zu denen, die glauben zur Errettung der Seele."

"Es ist aber der Glaube ein Beharren auf dem, was man hofft, eine Überzeugung von Tatsachen, die man nicht sieht. Durch diesen haben die Alten ein gutes Zeugnis erhalten. Durch Glauben verstehen wir, dass die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind, so dass die Dinge, die man sieht, nicht aus Sichtbarem entstanden sind."

"Wir wünschen aber, dass jeder von euch denselben Eifer beweise, so dass ihr die Hoffnung mit voller Gewissheit festhaltet bis ans Ende, damit ihr ja nicht träge werdet, sondern Nachfolger derer, die durch Glauben und Geduld die Verheißungen erben."

"Da wir nun eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, so lasst uns jede Last ablegen und die Sünde, die uns so leicht umstrickt, und lasst uns mit Ausdauer laufen in dem Kampf, der vor uns liegt, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen das Kreuz erduldete und dabei die Schande für nichts achtete, und der sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat. Achtet doch auf ihn, der solchen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht müde werdet und den Mut verliert!" (Aus dem Hebräerbrief)