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Der Inhalt des Glaubens - oder wohin der Glaube schaut

Das Wort Gottes sagt mir, daß ich glauben soll - aber was soll ich glauben? Ich werde aufgefordert, zu schauen - aber wohin soll ich schauen? Was ist der Inhalt meiner Hoffnung, meines Glaubens, meiner Zuversicht? Die Antwort ist einfach: der Inhalt des Glaubens ist für jeden Sünder Jesus Christus.

Wie viele machen dabei den Fehler und denken, daß sie an Gott, den Vater, glauben sollen! Dabei ist der Glaube an Gott eine Folge des Glaubens an Jesus. Wir kommen zum Glauben an die ewige Liebe des Vaters, weil wir auf das kostbare Blut des Sohnes vertrauen. Viele Menschen sagen: ,,Ich würde ja an Christus glauben, wenn ich wüßte, daß ich erwählt wäre.“ Aber das betrifft das Kommen zum Vater, und niemand kann zum Vater kommen, als nur durch Christus. Es ist das Werk des Vaters, zu erwählen. Du kannst nicht direkt zu ihm kommen, deshalb kannst du auch nichts von deiner Erwählung wissen. bis du nicht zuerst an Christus, als deinen Erlöser, geglaubt hast. Wenn du dann erlöst bist, kannst du dich dem Vater nähern und um deine Erwählung wissen.

Manche machen auch den Fehler, auf das Werk des Heiligen Geistes zu schauen. Sie schauen in sich hinein, um zu sehen, ob sie bestimmte Gefühle haben. Wenn sie sie finden, ist ihr Glaube stark, wenn aber ihre Gefühle sie verlassen haben, ist ihr Glaube schwach. Sie schauen ja auf das Werk des Geistes und das ist nicht der Inhalt für den Glauben eines Sünders. Wir müssen beiden, dem Vater und dem Geist, vertrauen, um die Erlösung vollständig zu empfangen aber der einzige Weg zu Rechtfertigung und Vergebung ist das Blut des Mittlers. Christen müssen nach der Bekehrung dem Geist vertrauen, aber die Aufgabe des Sünders, der gerettet werden will, ist weder das Glauben an den Geist, noch das Schauen auf ihn, sondern der Blick auf Jesus Christus allein. Deine Rettung hängt von der ganzen Dreieinigkeit ab, und doch ist der erste und sofortige Inhalt des gerechtmachenden Glaubens eines Sünders weder Gott, der Vater, noch Gott, der Heilige Geist, sondern Gott, der Sohn, der Mensch wurde und das Sühnopfer für unsere Sünden.

Hast du Augen des Glaubens? Dann schau auf Christus als Gott. Wenn du gerettet werden möchtest, dann glaube, daß er Gott über alles ist, für immer gepriesen. Beuge dich vor ihm und nimm ihn als alleinigen Gott an, denn wenn du es nicht tust, hast du kein Teil an ihm.

Wenn du das glaubst, dann glaube auch an den Menschen Jesus Christus. Glaube dem wunderbaren Bericht seiner Fleischwerdung. Verlaß dich auf das Zeugnis der Evangelisten, die erklären, daß der Unendliche ein Säugling wurde, daß der Ewige sterbensfähig wurde, daß er, der der König des Himmels war, ein Diener der Diener und der Sohn des Menschen wurde. Glaube und bewundere das Geheimnis seiner Fleischwerdung, denn wenn du es nicht tust, kannst du dadurch nicht gerettet werden.

Wenn du wirklich gerettet werden willst, dann erkenne im Glauben Christus in seiner vollkommenen Gerechtigkeit. Sieh ihn, wie er das Gesetz vollkommen hält, seinem Vater ausnahmslos gehorcht und seine Sündlosigkeit bewahrt. Bedenke, all das hat er für dich getan. Du könntest das Gesetz gar nicht halten: er hielt es für dich. Du könntest Gott gar nicht vollkommen gehorchen; sieh doch, er war an deiner Stelle gehorsam - dadurch bist du gerettet.

Achte darauf. daß dein Glaube in erster Linie auf Christus, dem Gekreuzigten, fußt. Sieh das Lamm Gottes stumm vor seinen Scherern stehen; sieh Christus als den Mann der Schmerzen, vertraut mit Leid; geh mit ihm nach Gethsemane, und schau auf ihn, wie er leidet. Laß es dir gesagt sein, dein Glaube hat nichts mit irgend etwas in dir zu tun; der Inhalt deines Glaubens ist nichts in dir, sondern etwas außerhalb von dir. Glaube an ihn, der dort am Kreuz mit angenagelten Händen und Füßen sein Leben für Sünder gibt. Dort findest du den Inhalt deines Glaubens, der dich gerecht macht, weder in dir selber, noch in irgend etwas, was der Heilige Geist in dir getan hat. oder in irgend etwas, was er versprochen hat, für dich zu tun. Du mußt auf Christus schauen, auf ihn allein.

Sieh auch im Glauben auf Jesus, der von den Toten aufersteht. Schaut auf ihn - er hat den Fluch getragen und wird nun gerechtfertigt. Er stirbt, um die Schuld zu bezahlen. Er ersteht, damit er den beglichenen Schuldschein ans Kreuz nageln kann. Sieh ihn, wie er in die Höhe auffährt, und beachte ihn, wie er heute vor dem Thron des Vaters bittet. Er bittet dort für sein Volk. indem er seine einflußreiche Fürbitte für alle darbringt, die durch ihn zu Gott kommen. Und er, als Gott und Mensch, als Lebender, Sterbender, Auferstandener und als Herrschender - er und nur er muß der Inhalt deines Glaubens sein, um deine Sünden zu vergehen.

Auf nichts anderes kannst du vertrauen. Er muß der einzige Halt deines Vertrauens sein. Alles, was du zu ihm dazufügst, macht ihn zum falschen Anti-Christus, wird zur Rebellion gegen die Herrschaft des Herrn Jesus. Achte bei deinem Glauben, der dich retten soll, darauf, daß du Christus in all diesen Angelegenheiten als deinen Stellvertreter betrachtest.

Die Lehre von der Stellvertretung ist so wesentlich für den ganzen Heilsplan, daß ich sie hier zum tausendsten Mal erklären muß. Gott ist gerecht, er muß Sünde bestrafen. Gott ist gnädig, er will denjenigen vergeben, die an Jesus glauben. Wie kann das geschehen? Wie kann er gerecht sein und Bestrafung fordern, gnädig sein und Sünder annehmen? Er tut es so: er nimmt die Sünden der Seinen und legt sie auf Christus, damit sie so unschuldig dastehen, als ob sie nie gesündigt hätten, und Gott sieht auf Christus, als ob er alle Sünder dieser Welt, vereinigt in einer Person, wäre. Die Sünde wurde weggenommen, und nicht bildlich, sondern wirklich und wahrhaftig auf Christus gelegt. Dann ging Gott mit seinem brennenden Schwert dem Sünder entgegen, um ihn zu bestrafen. Er begegnete Christus. Christus selbst war kein Sünder, aber die Sünden der Menschen lagen ja alle auf ihm. Die Gerechtigkeit begegnete Christus deshalb so, als ob er der Sünder gewesen wäre - sie bestrafte Christus für die Sünden - sie bestrafte ihn so hart, wie sie das Recht dazu hatte - sie forderte von ihm noch das letzte Stückchen Strafe und ließ, bildlich gesprochen, nicht einen Tropfen in der Tasse.

Der, der Christus als seinen Stellvertreter akzeptiert und ihm vertraut, ist dadurch vom Fluch des Gesetzes errettet. Wenn du auf Christus siehst, wie er dem Gesetz gehorcht, kannst du im Glauben sagen: „Für uns ist er so gehorsam.“ Wenn du ihn sterben siehst, kannst du die Blutstropfen zählen und sagen: „So hat er meine Sünde weggenommen.“ Wenn du ihn vom Tode auferstehen siehst, kannst du sagen: „Er aufersteht als Oberhaupt und Abgeordneter all seiner Erwählten.“ Wenn du ihn zur Rechten Gottes siehst, sollst du ihn als Unterpfand dafür sehen, daß alle, für die er starb, ganz sicher einmal zur Rechten des Vaters sitzen werden. Lerne, Christus so zu sehen, wie Gott es damals tat, nämlich als Sünder. „Sünde ist nicht in ihm“ (l. Johannes 3, 5). Er war der Gerechte, aber er litt für die Ungerechten. Er war der Aufrichtige, aber er stand an der Stelle der Unaufrichtigen, und alles, was die Ungerechten hätten erdulden müssen, hat Christus ein für allemal erduldet, und hat ihre Sünde für immer durch sein eigenes Opfer weggetan.

Das ist der große Inhalt des Glaubens. Ich bitte dich, täusche dich nicht, denn ein Fehler hier wird gefährlich, wenn nicht verhängnisvoll. Schau im Glauben auf Christus, wie er durch sein Leben, seinen Tod, sein Leiden und seine Auferstehung der Stellvertreter für alle, die ihm der Vater gab, geworden ist - das stellvertretende Opfer für die Sünden all derer, die sich ihm anvertrauen. Christus selbst ist also der Inhalt eines Glaubens, der gerecht macht.

Einige Leser werden zweifellos bemerken: „Oh. ich würde ja glauben und gerettet werden, wenn...“ Wenn was? Wenn Christus gestorben wäre? „Oh, nein. mein Zweifel hat nichts mit Christus zu tun.“ Ich dachte schon. Wo liegt dann der Zweifel? „Nun, ich würde glauben, wenn ich dieses gefühlt oder jenes getan hätte.“ Natürlich, aber ich sage dir, du kannst nicht an Jesus glauben, indem du dies fühlst oder jenes tust, denn dann würdest du an dich selbst und nicht an Christus glauben. Das ist typisch menschlich. Wenn du so und so wärest, dann könntest du Vertrauen haben. Vertrauen worauf? Nun, Vertrauen auf deine Gefühle und Vertrauen auf deine Taten, und das ist das genaue Gegenteil vom Vertrauen auf Christus.

Glaube bedeutet nicht, von etwas Gutem in mir zu schließen, daß ich gerettet werde, sondern gegen den Anschein und trotz der Tatsache zu glauben, daß ich schuldig in Gottes Augen bin und seinen Zorn verdiene; zu glauben, daß das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, mich von aller Sünde reinigt. Obwohl mich mein Gewissen verurteilt, ist mein Glaube doch stärker als mein Gewissen, und ich glaube, daß Gott fähig ist, alle zu retten, die durch Christus zu ihm kommen. Als Heiliger zu Jesus Christus zu kommen, ist sehr leicht; einem Arzt zu vertrauen, daß er dir hilft, wenn du merkst, daß es dir schon wieder besser geht, ist sehr leicht; aber dem Arzt zu vertrauen, wenn du dich fühlst, als ob du zum Tode verurteilt wärest, es mit Fassung zu tragen, wenn die Krankheit erst ausbricht und das Geschwür noch größer wird, sogar dann noch an die Wirkung der Medikamente zu glauben - das ist Glaube.

Wenn dich die Sünde beherrscht, und du weißt, daß dich das Gesetz verurteilt, dann, in dieser Situation, als Sünder an Christus zu glauben, das ist die mutigste Tat der Welt. Der Glaube, der die Mauern Jerichos erschütterte, der Glaube, der Tote erweckte, der Glaube, der das Maul von Löwen zuhielt, ist nicht größer, als der eines armen Sünders, der es wagt, dem Blut und der Gerechtigkeit Christi zu vertrauen, obwohl er in all seinen Sünden gefangen ist. Tu das, dann bist du gerettet, egal wer du bist. Der Inhalt des Glaubens ist also Christus, der Stellvertreter für Sünder. Nur Christus, nicht Gott, der Vater, oder irgendein Werk des Geistes, sondern das Werk Jesu allein, ist also die Grundlage deiner Hoffnung.
 

(Glaube nur - von C. H. Spurgeon)