default_mobilelogo

Der Ursprung des Glaubens - oder warum ein Mensch glaubt und woher sein Glaube kommt

„Also ist der Glaube aus der Verkündigung.“ Zugegeben, aber können nicht alle Menschen zuhören und bleiben nicht viele doch ungläubig? Wie kommt nun jemand zum Glauben? Aus der eigenen Erfahrung gesehen ist Glaube das Ergebnis einer erkannten Not. Er fühlt, daß er einen Retter braucht; er findet heraus, daß Christus gerade so ein Retter ist, wie er ihn möchte, und glaubt deshalb, weil er sich nicht selbst helfen kann, an Christus. Er hat selbst nichts zu bringen und empfindet deshalb, daß er entweder Christus annehmen oder verderben muß, und darum tut er es, denn er kann selbst nichts ausrichten. Er ist ziemlich in die Ecke getrieben, und es gibt nur diesen einen Fluchtweg, nämlich durch die Gerechtigkeit eines anderen. Weil er weiß, daß er nicht durch irgendwelche guten Taten oder eigenes Leiden entkommen kann, kommt er zu Christus und demütigt sich selbst. Denn ohne Christus schafft er es nicht, und er muß umkommen, wenn er ihn nicht findet.

Aber um die Frage weiter zurückzuverfolgen: Wie wird einem Menschen seine Not eigentlich bewußt? Wie kommt es, daß ausgerechnet er und nicht ein anderer fühlt, daß er Christus braucht? Sicher ist, daß er Christus nicht mehr als andere Menschen braucht. Wie kommt er dann zu dem Wissen, daß er verloren und geistlich ruiniert ist? Warum wird er von dem Bewußtsein seines Ruins dazu getrieben, sich an Christus, dem Erneuerer, festzuhalten? Die Antwort ist: es ist Gottes Geschenk; es ist das Werk des Geistes. Niemand kommt zu Christus, wenn ihn nicht der Geist zieht, und der Geist zieht Menschen zu Christus, indem er sie unter dem Gesetz gefangennimmt, bis sie zur Überzeugung gelangen, daß sie umkommen müssen, wenn sie nicht zu Christus kommen. Erst dann, durchs Unwetter bedroht, wenden sie und laufen den himmlischen Hafen an. Die Rettung durch Christus ist unserem fleischlichen Verstand so unsympathisch, und widerspricht unserer Liebe zu menschlicher Leistung so sehr, daß wir Christus nie als unser ein und alles annehmen würden, wenn der Geist uns nicht davon überzeugen würde, daß wir nichts wären, und uns nicht dazu drängen würde, an Christus zu glauben.

Aber die Frage geht noch weiter zurück: Warum zeigt der Geist Gottes einigen Menschen ihre Not und anderen nicht? Warum wurden einige von euch von einem Bewußtsein der Not zu Christus getrieben, während andere in ihrer Selbstgerechtigkeit weitergehen und darin umkommen? Es gibt darauf keine Antwort außer: „Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir“ (Lukas 10, 21). Letzten Endes kommen wir zur Souveränität Gottes. Der Herr hat „dies vor den Weisen und Verständigen verborgen... und... es Unmündigen geoffenbart“ (s.o.). Oder wie Christus es ausgedrückt hat: „meine Schafe hören meine Stimme“ (Johannes 10.27); „ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von meinen Schafen, wie ich euch gesagt habe“ (Johannes 10, 26). Manche Theologen würden zwar lieber lesen: „Ihr seid nicht meine Schafe, denn ihr glaubt nicht“, als ob das Glauben uns zu Schafen Christi machen würde, aber der Text sagt klar: „Ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von meinen Schafen“ (s.o.).
„Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen“ (Johannes 6, 37). Wenn sie nicht kommen, ist das ein klarer Beweis dafür, daß sie nie gegeben waren, denn diejenigen, die Christus von Ewigkeit her gegeben waren, erwählt von Gott, dem Vater, und dann erlöst von Gott, dem Sohn, werden vom Geist durch die Erkenntnis ihrer Not dahin geführt, zu kommen und an Christus zu glauben.

Kein Mensch hat je an Christus geglaubt oder wird es je tun, wenn er nicht fühlt, daß er ihn braucht. Kein Mensch hat je gefühlt, daß er Christus braucht oder wird es je tun, wenn der Geist es ihn nicht fühlen läßt; und der Geist wird keinen Menschen die Notwendigkeit einer Errettung durch Jesus fühlen lassen, wenn dieser nicht im ewigen Buch geschrieben steht, in das Gott die Namen seiner Auserwählten eingetragen hat. So denke ich, ich werde darin nicht mißverstanden, wenn ich sage, daß der Ursprung des Glaubens, also warum Menschen letztlich glauben, Gottes erwählende Liebe ist, die durch den Geist eine Erkenntnis der eigenen Not schafft, und so die Menschen zu Christus bringt.
 

(Glaube nur - von C. H. Spurgeon)