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Die Garantie des Glaubens - oder warum der Glaube auf Christus vertrauen darf.

Ist es nicht unklug von einem Menschen, Christus zu vertrauen, daß er ihn rettet, wenn er gar nichts Gutes zu bieten hat? Ist es nicht pure Überheblichkeit, so auf Christus zu vertrauen? Nein, das ist es nicht. Es ist die unvergleichlich große Tat des Heiligen Geistes, wenn ein Mensch all seine Sünden als solche erkennt und trotzdem glaubt. Wenn er unterschreiben kann, daß Gott wahrhaftig ist, und an die Kraft des Blutes Jesu glaubt. Aber warum traut sich überhaupt jemand, an Christus zu glauben? Das frage ich dich jetzt. „Nun“, sagt ein Mann, „ich habe all meinen Glauben an Christus zusammengenommen, weil ich fühlte, daß der Geist in mir arbeitete.“ Du glaubst überhaupt nicht an Christus. „Nun“, sagt ein anderer, „ich dachte, ich hätte das Recht, an Christus zu glauben, weil ich etwas fühlte.“ Auf solch eine Garantie hin hattest du kein Recht, überhaupt an Christus zu glauben.

Was ist denn die Garantie eines Menschen, der an Christus glaubt? Hier ist sie: Christus befiehlt ihm, es zu tun! Das ist seine Garantie. Christi Wort ist die Garantie für den Sünder, der an Christus glaubt – weder was er fühlt, noch was er ist, sondern daß Christus ihm befohlen hat, es zu tun. Das Evangelium lautet: „Glaube an den Herrn Jesus und du wirst errettet werden“ (Apostelgeschichte 16, 31) und: „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet“ (Johannes 3, 18).

Der Glaube an Christus ist also gleichzeitig Auftrag und Vorrecht. Und es ist wirklich eine Gnade, daß er Pflicht ist, denn so kann die Frage nie aufkommen, ob ein Mensch das Recht hat, seine Pflicht zu tun. Auf dieser Basis, daß Gott mir befiehlt zu glauben, habe ich das Recht zu glauben, egal wer ich bin. Das Evangelium gilt allen, und zu allen gehöre auch ich. Das Evangelium befiehlt mir zu glauben, und das tue ich. Es kann kein Fehler gewesen sein, es zu tun, denn ich habe den Befehl bekommen, so zu handeln. Ich kann nichts falsch machen, wenn ich einem Befehl Gottes gehorche.

Es ist also ein Gebot Gottes für alle Menschen, an Jesus Christus zu glauben, den Gott gesandt hat. Dies ist deine Garantie als Sünder und eine gesegnete Garantie dazu, denn die Hölle kann sie nicht anfechten und der Himmel nicht zurücknehmen. Du brauchst nicht in dich hineinzuschauen, auf die vernebelten Garantien deiner Erfahrung, du brauchst nicht auf deine Werke zu schauen oder auf ein Gefühl, um einige trübe und unzulängliche Garantien für dein Vertrauen auf Christus zu bekommen. Du kannst an Christus selbst glauben, weil er es dir sagt. Das ist sicherer Boden, auf dem man stehen kann und gleichzeitig einer, der keinen Zweifel zuläßt.

Ich stelle mir vor, wir wären alle am Verhungern, unsere Stadt würde belagert und eingeschlossen und es gäbe eine lange Hungersnot. Wir sind kurz davor zu verhungern. Da erhalten wir eine Einladung, uns sofort zum Palast des Königs zu begeben, um dort zu essen und zu trinken; aber wir sind Narren geworden und nehmen die Einladung nicht an. Stell dir vor, was für eine schreckliche Verwirrung uns ergriffen hat, daß wir es vorziehen zu sterben und lieber verhungern als zu kommen. Stell dir vor, der Herold des Königs sagt: „Kommt und eßt, ihr armen, hungrigen Menschen. Ich weiß, daß ihr nicht kommen wollt, deshalb warne ich euch, daß, wenn ihr nicht kommt, meine Soldaten auf euch losgehen werden; sie sollen euch die Schärfe ihrer Schwerter spüren lassen.“ Ich denke, wir sollten dem König für diese Drohung dankbar sein. Wir können nun nicht mehr sagen: "„Ich will nicht kommen“, weil wir nicht mehr wegbleiben dürfen. Ich kann also nicht sagen, daß ich noch nicht darauf vorbereitet bin zu kommen, denn ich habe den Befehl zu kommen, und ich werde bestraft, wenn ich nicht komme; deshalb gehe ich.

Der schreckliche Satz „Wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet“ (Johannes 3,18), ist nicht aus Wut ausgesprochen worden, sondern weil der Herr unsere grundlose Verwirrung kennt und weißt, daß wir unser Glück ablehnen würden, wenn er nicht gegen uns wettern würde, um uns zum Kommen zu bewegen. „Nötige sie hereinzukommen“, hat der Herr von Anfang an gesagt und dieser Text zeigt, wie er die Ermahnung durchführt, „Nötige sie hereinzukommen“.

Du kannst nicht verlorengehen, indem du Christus vertraust, aber du wirst verlorengehen, wenn du ihm nicht vertraust, und zwar weil du ihm nicht vertraust. Ich betone es nochmals: Komm! Ich bitte dich, setze dich nicht dem Zorn Gottes aus, indem du es ablehnst zu kommen. Das Tor der Gnade steht weit offen, warum willst du nicht kommen? Warum willst du nicht? Warum so stolz? Warum willst du immer noch seine Stimme zurückweisen und in deinen Sünden umkommen? Schau, wenn du umkommst, ist das weder die Schuld Gottes, noch die Schuld Christi, sondern deine eigene. Er sagt dann über dich: „Ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr ewiges Leben habt“ (Johannes 5,40). Du armer Zweifler, wenn du kommen möchtest, dann gibt es nichts in Gottes Wort, das dich davon abhält. Es ist nämlich gleichzeitig die Drohung, die dich antreibt, und die Kraft, die dich zieht. Immer noch höre ich dich sagen: „Ich darf Christus nicht vertrauen.“ Doch, du darfst, sage ich, weil es aller Kreatur unter dem Himmel befohlen ist, und was dir befohlen ist, das darfst du auch tun. „Na gut“, sagt jemand, „aber ich fühle immer noch nicht, daß ich es darf“. Damit bist du wieder am Anfang. Du sagst, daß du deiner dummen Gefühle wegen Gott nicht gehorchen willst. Du sollst Christus doch nicht vertrauen, weil du etwas fühlst, sondern einfach, weil du ein Sünder bist.
Jetzt weißt du, daß du ein Sünder bist. „Ich weiß“, sagt jemand, „und genau das macht mir Sorgen.“ Warum sorgst du dich? Das ist ein Anzeichen dafür, daß du fühlst. „Aber“, sagt jemand, „ich fühle noch nicht genug und deshalb sorge ich mich. Ich fühle nicht das, was ich sollte. Nun, egal ob du fühlst oder nicht fühlst, du bist ein Sünder, und „das Wort ist gewiß und aller Annahme wert, daß Christus Jesus in die Welt gekommen ist, Sünder zu erretten“ (1. Timotheus 1,15).

„Oh, aber ich bin ein alter Sünder und lebe schon seit sechzig Jahren in Sünde.“ Wo steht geschrieben, daß du nach sechzig Jahren nicht mehr gerettet werden kannst? Christus könnte dich noch mit Hundert retten – ja, selbst wenn du ein Methusalem an Schuld wärest. „Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde“ (1. Johannes 1,7), - „Daher kann er auch völlig erretten, die durch ihn Gott nahen“ (Hebräer 7,25).

„Schon“, meint jemand, „aber ich war ein Trinker, ein Flucher oder ein Lüstling oder ein Weltmensch.“ Dann bist du ein Sünder. Du konntest auch nicht weiter als bis zum Äußersten gehen, und Jesus kann dich immer noch retten. „Tja“, sagt ein anderer, „aber du weißt ja nicht, wie schlimm meine Schuld ist.“ Das beweist doch nur, daß du ein Sünder bist, und daß genau dir der Befehl gilt, Christus zu vertrauen, um gerettet zu werden. „Aber“, ruft ein anderer, „du weißt ja nicht, wie oft ich Christus schon abgelehnt habe.“ Stimmt, aber das macht dich doch nur noch deutlicher zum Sünder. „Du weißt auch nicht, wie hart mein Herz ist.“ Stimmt wieder, aber das bestätigt nur deine Sündhaftigkeit und daß du einer derjenigen bist, für die Christus als Retter kam.

„Aber an mir ist nichts Gutes. Wenn wenigstens etwas da wäre, hätte ich etwas, was mich ermutigt.“ Die Tatsache, daß du gar nichts Gutes aufzuweisen hast, zeigt nur, daß du genau der Mensch bist, zu dem ich reden soll. Christus kam, um zu retten, was verloren war. Alles, was du gesagt hast, hat nur bewiesen, daß du verloren bist. Also kam er, um dich zu retten. Vertrau ihm!

„Aber wenn ich gerettet werde“, sagt jemand, „werde ich der größte Sünder sein, der je gerettet wurde.“ Umso gewaltiger wird die Musik im Himmel sein, wenn du hinkommst; umso mehr Ehre wird Christus bekommen, denn je größer der Sünder, desto mehr Ruhm gebührt Christus, wenn dieser nach Hause kommt. „Ja, aber meine Sünden sind sehr zahlreich geworden.“ Dann ist seine Gnade umso größer geworden. „Aber meine Sünde reicht sogar bis zum Himmel.“ Schon, aber seine Gnade reicht bis über den Himmel hinaus. „Meine Schuld ist so breit wie die ganze Welt.“ Schon, aber seine Gerechtigkeit ist breiter als tausend Welten. „Ja, aber meine Sünde ist scharlachrot.“ Ja, sein Blut ist aber röter als deine Sünden, und es kann sie durch ein stärkeres Rot auswaschen. „Ich verdiene es aber verlorenzugehen, und Tod und Hölle fordern meine Verurteilung.“ Ja und sollen sie auch, aber das Blut Christi redet lauter als Tod und Hölle, und es ruft heute: „Vater, laß den Sünder leben.“

Oh, ich wünschte, ich könnte dir diesen Gedanken begreiflich machen. Wenn Gott dich rettet, dann liegt das überhaupt nicht an dir, sondern einzig an ihm selbst. Gottes Grund, warum er einen Sünder begnadigt, liegt in seinem eigenen Herzen begründet und nicht in dem des Sünders. Für deine Rettung sprechen genauso viele Gründe, wie für irgend jemanden sonst, nämlich keine. Du lieferst keinen Grund, warum Gott dir gnädig sein müßte, aber er erwartet keinen Grund, denn der Grund dafür liegt in und in Gott allein.
 
(Glaube nur - von C.H. Spurgeon)