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Irrtümer in bezug auf den Glauben, die Christen schwer zu schaffen machen

Was für Einfaltspinsel sind wir doch! Egal wie alt wir sind, sind wir kindisch, wenn es um geistliche Dinge geht. Welch große Einfaltspinsel sind wir, wenn wir beginnen, an Jesus zu glauben! Wir denken, daß unser Begnadigtsein viele Dinge mit einschließt, von denen wir später herausfinden, daß sie gar nichts mit unserer Begnadigung zu tun haben. Zum Beispiel denken wir, daß wir nie mehr sündigen; wir bilden uns ein, daß die Schlacht geschlagen ist, daß wir ein befriedetes Gebiet betreten, auf dem wir keinen Krieg mehr führen brauchen, daß wir tatsächlich den Sieg erlangt haben und nur noch mit dem Palmzweig zu winken brauchen, daß alles vorbei ist, daß Gott uns nur noch zu sich zu rufen braucht und wir in den Himmel kommen, ohne irgendwelche Feinde auf der Erde bekämpft zu haben.

Nun, all das sind offensichtlich Fehler. Beachte, obwohl es feststeht, „wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet“ (Johannes 3, 18), heißt es doch nicht, daß dieser Glaube nicht auf die Probe gestellt werden soll. Dein Glaube wird erprobt werden. Ein unversuchter Glaube ist überhaupt kein Glaube. Gott hat keinem Menschen Glauben gegeben, ohne ihn auf die Probe zu stellen. Das Ziel des Glaubens, den wir bekommen, ist Ausdauer. Genauso wie Schützen das Ziel aufstellen, um darauf zu schießen, gibt Gott uns den Glauben mit der Absicht Versuchungen und Schwierigkeiten, Sünde und Satan ihre Pfeile darauf richten zu lassen. Wenn du Glauben an Christus hast, ist das ein großes Vorrecht, aber erinnere dich daran, daß er auch große Versuchungen beinhaltet. Vielleicht hast du noch gestern abend um großen Glauben gebetet.

Hast du bedacht, daß du damit gleichzeitig um große Schwierigkeiten gebetet hast? Du kannst keinen großen Glauben haben, nur um ihn zu lagern und verrosten zu lassen.

Herr Mutherz aus Bunyans „Pilgerreise“ war ein sehr starker Mann, aber er hatte auch eine harte Aufgabe zu bewältigen. Viele Male mußte er mit den ganzen Frauen und Kindern hinauf zur Himmlischen Stadt und wieder zurück gehen; er mußte mit all den Riesen kämpfen und die Löwen verjagen, den Riesen Verzweiflung töten und seine Zweifelburg zerstören. Wenn du viel Glauben hast, wirst du ihn auch ganz brauchen. Du wirst nie auch nur ein kleines Stückchen übrigbehalten. Wie die Jungfrauen im Gleichnis unseres Herrn wirst du sein. Selbst wenn du eine weise Jungfrau bist, wirst du anderen sagen müssen, die von dir borgen wollen: „Nein, damit es nicht etwa für uns und euch nicht ausreiche“ (Matthäus 25, 9). Wenn nun dein Glaube durch Versuchungen auf die Probe gestellt wird, denk nicht, daß du für deine Sünden ins Gericht kommst. Nein. Es gibt viele Prüfungen für dich als Gläubigen, aber nicht zur Verurteilung; es gibt viele Versuchungen, aber wir sind immer noch gerechtfertigt; wir können richtig durchgeschüttelt werden, aber wir stehen nicht unter dem Fluch; wir können manches Mal niedergeworfen werden, aber das Schwert des Herrn kann und wird unser Herz nicht treffen.

Ja, mehr noch, vielleicht wird nicht nur unser Glaube erprobt, sondern wir erleben noch eine geistliche Ebbe; trotzdem werden wir nicht gerichtet. Wenn dein Glaube so klein wird, daß du ihn nicht mehr sehen kannst, wirst du trotzdem noch nicht gerichtet. Wenn du je an Jesus geglaubt hast, dann mag dein Glaube doch wie das Meer aussehen, das sich weit von der Küste entfernt und nur eine gewaltige Schlammspur hinterläßt. Mancher meint vielleicht schon, daß das Meer fort oder ausgetrocknet ist. Aber du wirst nicht gerichtet, selbst wenn dein Glaube fast ausgetrocknet ist. Ja, ich behaupte sogar, daß du Gott nicht lieber bist, wenn dein Glaube überströmt, als wenn dein Glaube gerade seine tiefste Ebbe erlebt. Daß er dich annimmt, hängt nämlich nicht von der Größe deines Glaubens ab, sondern von seiner Echtheit.

Wenn du wirklich in Christus Ruhe gefunden hast, sei dein Glaube auch nur wie ein Funke, den tausend Teufel auslöschen wollen, dann wirst du doch nicht gerichtet - du bleibst in Christus angenommen. Obwohl du natürlich deine Zuversicht verlierst, wenn dein Glaube abnimmt, bleibst du doch angenommen. Obwohl der Glaube steigen und fallen kann wie ein Thermometer, obwohl er wie Quecksilber in der Röhre von jedem Wetter verändert wird, bleibt Gottes Liebe doch unbeeinflußt von dem Wetter auf der Erde und dem Lauf der Zeit. Erst wenn die vollkommene Gerechtigkeit Christi veränderlich oder beweglich wird wie ein Fußball, der von den Füßen der Gegner weggeschossen wird, kann sich dein Angenommensein vor Gott ändern. In seinem geliebten Sohn bist du vollkommen angenommen, ja, du mußt es sogar sein.

Etwas anderes wird dem Kind Gottes auch oft zum Problem. Manchmal verliert ein Christ das Licht vom Antlitz des Vater. Nun denke daran, es heißt nicht: „Wer glaubt, soll nicht das Licht von Gottes Antlitz verlieren“. Das kann ihm passieren, aber er wird deshalb nicht verurteilt. Vielleicht befindest du dich nicht nur tagelang, sondern monatelang in solch einem Zustand, daß du nur wenig Gemeinschaft mit Christus hast. Du hast keine Freude am Gespräch mit Gott, seine Versprechen schienen dir gebrochen, die Bibel bietet dir nur wenig Trost, und wenn du deine Augen zum Himmel erhebst, fühlst du den Schmerz, der vom Stock deines Vaters verursacht wurde. um so mehr. Du magst seinen Geist geärgert und betrübt haben, und er mag sein Angesicht deshalb von dir abgewandt haben, aber deshalb wirst du noch lange nicht gerichtet. Selbst wenn dein Vater dich schlägt und jeder Streich einen blutigen Striemen hinterläßt, steckt nicht das kleinste bißchen Verurteilung in den Schlägen. Nicht aus Zorn, sondern aus seiner verantwortlichen Liebe schlägt er dich. Die Züchtigung von der Hand deines Vaters zeigt die gleiche unvermischte und ungetrübte Zuneigung in jedem Schlag aus Liebe, wie sie in den Küssen von Jesu Lippen steckt. Glaube es, es wird dein Herz erheben, es wird dich froh machen, auch wenn weder Sonne noch Mond scheinen. Es wird deinen Gott ehren. Es wird dir zeigen, wo dein Glaube wirklich steht. Wenn sein Gesicht abgewandt ist, glaube immer noch an ihn und sage: „Er bleibt doch treu, auch wenn er sein Gesicht vor mir verbirgt.“

Ich will noch ein bißchen weitergehen. Ein Christ mag von Satan so angegriffen werden, daß er nahe davor ist, aus lauter Verzweiflung aufzugeben. Und doch wird er nicht gerichtet. Die Teufel mögen die große Höllentrommel in seinem Ohr anschlagen, bis er denkt, daß er am Rande der ewigen Verdammnis stehe. Er mag die Bibel lesen und denken, daß jede Warnung ihm allein gilt und keine Verheißung zu ihm redet und ihn erfreut. Am Ende mag er verzweifeln, wieder und wieder verzweifeln, bis er bereit ist, die Harfe zu zerbrechen, die so lange an der Weide hing. Vielleicht sagt er: „Der Herr hat mich verlassen, mein Gott ist mir nicht länger gnädig.“ Aber das ist nicht wahr. Vielleicht ist er bereit, tausendfach zu beschwören, daß Gottes Gnade eindeutig von ihm gegangen ist, und daß er seine Treue aufgegeben hat; aber das ist nicht wahr, es ist einfach nicht wahr. Selbst tausend Lügner, die einen Meineid schwören. können ihn doch nicht wahr machen; und unsere Zweifel und Ängste sind solche Lügner. Selbst wenn es zehntausend wären, und sie alle das gleiche erklären würden, ist es trotzdem unwahr, daß Gott jemals sein Volk verließ oder daß er jemals einen unschuldigen Menschen von sich stieß, und du bist unschuldig, wenn du an Jesus glaubst, denke daran. „Aber“ , sagst du, „ich bin voller Sünde.“ Ja, aber diese Sünde ist auf Christus gelegt worden. „Oh“, sagst du, „aber ich sündige täglich.“ Richtig, aber deine Sünde lag schon auf ihm, bevor du sie begangen hast, schon vor Jahren. Es ist nicht mehr deine, Christus hat sie ein für allemal weggenommen. Durch den Glauben bist du ein gerechter Mensch, und Gott wird den Gerechten nicht verlassen und den Unschuldigen nicht ausstoßen.

Ich halte noch einmal fest: das Kind Gottes kann im Glauben eine tiefe Ebbe erleben, es kann das Licht vom Angesicht seines Vaters verlieren und sogar in tiefe Verzweiflung fallen, aber all das kann Gottes Wort nicht widerrufen. „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet.“

„Aber was passiert“, fragst du, „wenn das Kind Gottes sündigt?“ Das ist ein tiefgründiges und heikles Thema, und doch müssen wir uns mutig damit auseinandersetzen. Ich kann bei Gottes Wahrheit kein Blatt vor den Mund nehmen, auch wenn jemand das mißbraucht. Ich weiß, es gibt einige - nicht aus Gottes Volk - die sagen werden : „Laßt uns sündigen, damit die Gnade umso größer wird.“ Ihre Verurteilung ist sicher. Ich kann nichts dafür, wenn die Wahrheit verdreht wird. Es wird immer Menschen geben, die das beste Essen wie Gift behandeln und aus der besten Wahrheit eine Lüge machen und sich dadurch selbst verurteilen.

Du fragst: „Was passiert, wenn ein Kind Gottes in Sünde fällt?“ Meine Antwort darauf ist, daß jeder Gläubige in Sünde fällt. Täglich jammert und klagt er darüber, denn sobald er etwas Gutes tun will, ist das Böse stets gegenwärtig. Aber auch wenn er in Sünden fällt. wird er trotzdem nicht gerichtet, nicht wegen einzelner Sünden und nicht wegen allen zusammen, weil sein Angenommensein nicht von ihm selbst abhängt, sondern von der vollkommenen Gerechtigkeit Christi. Und diese vollkommene Gerechtigkeit kann nicht durch irgendwelche Sünden entkräftigt werden. In Christus ist er vollkommen, und solange Christus nicht selbst unvollkommen ist, kann die Unvollkommenheit des Menschen die Rechtfertigung des Gläubigen in Gottes Augen nicht trüben. Aber wenn er in himmelschreiende Sünde fällt - Gott bewahre uns davor - selbst wenn er in himmelschreiende Sünde fällt, wird er sich die Knochen brechen, den Himmel aber wird er trotzdem erreichen. Obwohl Gott zuläßt, daß er weit vom richtigen Weg abkommt, um ihn auf die Probe zu stellen und ihm seine eigene Niederträchtigkeit zu zeigen, wird der, der ihn erkauft hat, ihn doch nicht verlieren; er, der ihn erwählt hat, wird ihn nicht verstoßen. Er wird ihm sagen: „Ich, ich bin es, der deine Verbrechen auslöscht um meinetwillen. und deiner Sünden will ich nicht gedenken“ (Jesaja 43, 25). David ist weit weggegangen, aber David ist nicht verloren. Weinend ist er zurückgekommen: „Sei mir gnädig, o Gott, nach deiner Gnade“ (Psalm 51, 3).
 
Genauso wird es jedem Glaubenden ergehen. Christus wird ihn zurückbringen. Auch wenn er ausrutscht, soll er gehalten werden. Alle Erwählten werden sich einmal vor dem Thron treffen. Wenn das nicht wahr wäre, würden nur manche durchhalten - was würde aus dem übrigen Volk Gottes? Es wäre der Verzweiflung hingegeben. Falls du, lieber Leser, so zurückgefallen bist, bitte ich dich, das nicht zu mißbrauchen, was ich gesagt habe. Laß es dir sagen, du Armer, dein Vater trauert tief um dich. Er hat deinen Namen nicht aus dem Buch gestrichen. Komm zurück, komm jetzt sofort zu ihm zurück und sage: „Nimm mich gnädig an, und schenk mir neu deine Liebe.“ Und er wird antworten: „Du bist mein Kind!“ Er wird dein Zurückfallen übergehen und wird deine Übertretungen heilen, und du sollst wieder in seiner Gunst stehen und darfst wissen, daß du immer noch aufgenommen bist durch die Gerechtigkeit deines Erlösers; und daß du immer noch gerettet bist durch sein Blut. Gottes Ziel ist nicht, daß sein Kind nie auf die Probe gestellt wird oder daß es nicht in Versuchung fällt, aber das eine hält er fest: „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet.“ Nie und nimmer steht er unter dem Urteil der Verdammnis, sondern er ist aus Gottes Sicht in alle Ewigkeit gerecht gesprochen.
 

(Glaube nur - von C. H. Spurgeon)