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Wenn wir nicht gerichtet werden, dann betrachtet Gott uns, seine Kinder, die an Christus glauben, zu keiner Zeit so, als wären wir schuldig. Überrascht es dich, daß ich es so ausdrücke? Ich sage es noch einmal: Von dem Moment an, wo du an Christus glaubst, läßt Gott davon ab, dich als schuldig anzusehen, denn er schaut dich nie getrennt von Christus an. Du betrachtest dich selbst oft als schuldig und fällst auf die Knie - das sollst du auch tun! - und du weinst und klagst. Aber selbst während du über dein sündiges Wesen und deine begangene Sünde weinst, sagt er dir vom Himmel her: „Was deine Rechtfertigung betrifft, bist du gerecht und herrlich.“ Du bist schwarz wie die Zelte von Kedar - das bist du von Natur aus. Du bist schön wie die Zeltdecken Salomos - das bist du in Christus. Du bist schwarz - das bist du in Adam. Aber wohlgestaltet - das bist du im zweiten Adam.

Bedenke das, daß du aus Gottes Sicht immer schön bist, daß du aus Gottes Sicht immer so aussiehst, als wärest du vollkommen. Denn du bist in Jesus Christus zur Fülle gebracht und vollkommen gemacht (vgl. Kolosser 2, 10), wie es Pau1us betont. Immer stehst du in Christus ganz gewaschen und völlig bekleidet da. Erinnere dich daran, denn genau das ist in den Worten enthalten: „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet“ (Johannes 3, 18). Eine andere wichtige Tatsache ist die, daß du als Gläubiger niemals für deine Sünden bestraft wirst. Du wirst ihnen entsprechend gezüchtigt, wie ein Vater sein Kind züchtigt; das ist so im Zeitalter der Gnade, aber du wirst nicht so für deine Sünden geschlagen, wie der Gesetzgeber den Verbrecher schlägt. Dein Vater mag dich oft genauso strafen, wie er die Bösen straft. Aber nie aus dem gleichen Grund.

Die Gottlosen stehen auf dem Boden ihrer eigenen Fehler;  ihr Leid ist ihre verdiente Strafe. Deine Sorgen jedoch sind kein Werkzeug zur Strafe, sie sind Werkzeug der Liebe. Gott weiß, daß deine Sorgen in diesem Sinne solch ein Vorrecht sind, daß du sie als einen unverdienten Segen ansehen kannst. Daran mußte ich oft denken, wenn ich in ernsten Schwierigkeiten war. Ich weiß, manche Leute sagen: „Du hast deine Schwierigkeiten verdient.“ Ja, meine Lieben, aber alle Christen zusammen leisten nicht genug, um so etwas Gutes, wie die liebevolle Zurechtweisung unseres himmlischen Vaters zu verdienen. Vielleicht kannst du das nicht einsehen, daß Probleme als ein wirklicher Segen in deinen Bund mit Gott hereinkommen können. Aber ich weiß, daß der Stock des Bundes genauso ein Gnadengeschenk ist, wie das Blut des Bundes. Das ist gar keine Frage der Strafe oder Leistung. Wir bekommen ihn, weil wir ihn brauchen. Aber frage einmal, ob wir je so gut waren, ihn zu verdienen. Wir haben es nie geschafft, nach so einem hohen Maßstab zu leben, daß wir solch reiche, gnädige Versorgung verdient hätten wie diesen Segen - den Stock unseres züchtigenden Gottes. Nie, zu keiner Zeit in deinem Leben, ist ein Gesetzesstreich auf dich gefallen. Seit du an Christus glaubst, bist du außerhalb des Zuständigkeitsbereiches des Gesetzes.

Das englische Gesetz kann einem Franzosen nichts anhaben, solange er unter dem Schutz seines Herrschers lebt. Du bist nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade. Das sinaitische Gesetz kann dir nichts anhaben, weil du außerhalb seines Einflußbereichs bist. Du lebst nicht in Sinai oder Arabien. Du bist nicht der Sohn Hagars oder der Sohn einer Magd, du bist der Sohn Saras und bist nach Jerusalem gekommen und bist frei. Du bist aus Arabien heraus in Gottes wunderbares Land gekommen. Du gehörst nicht zu Hagar, sondern zu Sara unter Gottes Gnadenbund, und du sollst Gottes Erbe sein.

Glaub es doch, daß dich das Gesetz niemals schlagen kann, niemals kann Gottes Zorn im Gericht auf dich kommen. Er mag dir einen züchtigenden Schlag geben, nicht aufgrund deiner Sünde, sondern aufgrund seiner reichen Gnade, die die Sünde aus dir herausbekommen möchte, damit du vollkommen heilig wirst, auch wenn du jetzt schon vor ihm vollkommen und vollendet bist, im Blut und der Gerechtigkeit Christi.
 

(Glaube nur - von C. H. Spurgeon)