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Drei Fragen über euren Glauben - von C.H. Spurgeon

Erstens sagst du: „Ich habe Glauben.“ Ist dem also? Es gibt manchen Menschen, der da spricht, er besitze Gold, und hat es nicht; Viele sind, die da meinen, sie seine reich und hätten gar satt, und bedürfen nichts, und wissen nicht daß sie sind elend und jämmerlich, arm, blind und bloß (Off. 3,17). Darum frage ich dich vor allem: Treibt dich dein Glaube ins Gebet? - aber nicht das Gebet eines Menschen, der schwatzt wie ein Papagei, und betet, was er auswendig gelernt hat; sondern flehest und rufest du, wie ein lebendiges Kind ruft und fleht? Erzählst du Gott deine Bedürfnisse und deine Wünsche? Und suchst du sein Angesicht, und verlangst du nach seiner Gnade? Mensch, wenn du ohne Gebet lebst, so bist du eine heilandsleere Seele; dein Glaube ist eine Täuschung, und dein Vertrauen, das du daraus schöpfst, ist ein Traum der dich in den Abgrund des Verderbens stürzt. Erwache! erwache aus deinem Todesschlummer; denn so lange du stumm bist zum Gebet, so lange kann Gott dich nicht erhören. Du kannst für Gott nicht leben, wenn du nicht selbst in deinem Gebetskämmerlein; wer auf Erden nie auf die Knie fällt, wird im Himmel nie auf seinen Füßen stehen; wer hier unten nie mit dem Engel ringt, wird von diesem Engel auch nie in den Himmel dort oben eingelassen werden. Ich weiß, daß ich heute zu Etlichen spreche, die gebetsscheu sind. Ihr habt Zeit genug für euer Geschäftszimmer, aber ihr habt keine Zeit für euer Kämmerlein.

Familienandacht ist euch ein unbekanntes Ding; aber ich will nicht lange mit euch darüber rechten. Das Herzensgebet habt ihr vernachlässigt. Steht ihr nicht manchmal Morgens ungefähr um die Zeit auf, wo ihre eure Anordnungen treffen müßt, und - faltet die Hände? freilich; aber wo bleibt das Gebet? Und sogar bei besonderen Gebets-Gelegenheiten nehmt ihr euch nie die rechte Muße dazu. Das Gebet ist für euch eine Art von Überfluß, der euch zu hoch zu stehen kommt, als daß ihr euch demselben oft hingebt. O, wer dagegen wahren Glauben im Herzen hat, betet den ganzen Tag über. Ich meine nicht, daß er die Hände faltet; aber jeder Zeit, wenn er einkauft, wenn er den Laden besorgt, wenn er auf dem Geschäftszimmer ist, findet sein Herz einen freien Augenblick und erhebt sich zum Herzen seines Gottes, und kommt wieder hernieder, erfrischt und gestärkt zu seinem Geschäft und zum Umgang mit seine Nebenmenschen. Ach, diese Stoßseufzer - nicht bloß das Füllen des Rauchaltars mit Räuchwerk am Morgen, sondern das Hinzuwerfen kleiner Stücke von Einrammte und Weihrauch den Tag über, um es allezeit frisch zu erhalten, das ist die Lebensweise, und das ist das Treiben eines wahrhaften, echten Gläubigen. Wenn euer Glaube euch nicht zum Beten anspornt, so habt nichts damit zu schaffen; machet euch los davon, und Gott stehe euch bei, noch einmal von vorn anfangen zu können.

 

Aber du sprichst: „ich habe Glauben.“ Ich will dich ein Zweites fragen. Macht dich dieser Glaube gehorsam? Jesus sprach zu dem Königischen: „Gehe hin,“ und er ging ohne Widerrede; wie viel mehr möchte er gewünscht haben zu bleiben, und dem Meister zuzuhören - er gehorchte. Macht dich dein Glaube folgsam? In unsern Tagen haben wir Beispiele von Christen der ernstesten, allerernstesten Art; Menschen von nicht gewöhnlicher Ehrbarkeit. Ich habe von Handelsleuten die Beobachtung aussprechen hören, daß sie viele Menschen kennen, welche Gott nicht fürchten und nicht vor Augen haben, welche dabei äußerst rechtschaffen und aufrichtig in ihrem Wandel sind; und auf der andern Seite einige, die sich zu den Christen zählen, die zwar nicht gerade unehrlich sind, aber ein wenig sich schmiegen und biegen können; sie sind keine stättigen Pferde, aber alle Augenblicke machen sie Seitensprünge; sie scheinen den Zeitpunkt nicht zu beobachten, wo sie eine Zahlung zu machen haben; sie sind nicht regelmäßig, sie sind nicht genau; wahrlich manchmal - und warum soll man verbergen, was wahr ist? - ertappt ihr solche Christen ob recht schmutzigen Handlung, und findet Bekenner der Religion, die sich auf eine Weise schändlich machen, daß Weltleute darüber spotten würden. Nun, ihr Herren, ich gebe heute mein Zeugnis als Diener Gottes, zu ehrlich um ein Wort zu verdrehen irgend einem Lebenden zu Gefallen: ihr seid keine Christen, wenn ihr euch in Geschäftssachen unter der Würde eines ehrlichen Menschen benehmt. Wenn Gott euch nicht ehrlich gemacht hat, so hat er eure Seele nicht errettet. Seid versichert, daß wenn ihr dahingehen könnt, ungehorsam den Sittengeboten Gottes, wenn euer Leben unordentlich und liederlich ist, wenn in eure Unterhaltungen Reden einfließen, deren sich sogar ein Weltkind schämen würde, dann wohnt die Liebe Gottes nicht in euren Herzen. Ich verlange keine Vollkommenheit, aber Rechtschaffenheit; und wenn euch eure Religion im täglichen Leben nicht zum Gebet und zum Eifer angespornt hat; wenn ihr nicht in Wahrheit eine neue Kreatur in Christo Jesu geworden seid, so ist euer Glaube ein leeres Wort, ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle (1.Kor.13,1).

 

Ich will euch noch eine Frage über euren Glauben vorlegen, dann will ich schließen. Du sprichst: „Ich habe Glauben.“ Hat dich dein Glaube zu einem Segen für dein Haus gemacht? Der teure Rowland Hill sagte einmal in seiner eigentümlichen Weise, wenn ein Mensch ein Christ würde, so würden dadurch sein Hund und seine Katze besser; und ein anderer teurer Mann pflegte zu sagen, daß ein Mensch, der ein Christ würde, in jeder Beziehung sich besserte. Er wäre ein besserer Gatte, ein besserer Dienstherr, ein besserer Vater als vorher, oder seine Gottesfurcht sei nicht echt. Nun, teure christliche Brüder und Schwestern, habt ihr je daran gedacht, eurem Hause zum Segen zu werden? Wird mir wohl Einer mit den Worten entgegentreten: „Ich behalte meine Religion für meine eigene Person?“ Seid nicht so ängstlich, sie möchte euch etwa gestohlen werden; ihr braucht sie nicht hinter Schloß und Riegel zu verwahren; das treibt den Teufel noch nicht, selbst zu kommen und sie euch zu rauben. Ein Mensch, der seine Gottesfurcht für sich selbst behalten kann, besitzt davon so wenig, daß ich fürchte, sie nützt ihm selber nichts und ist Andern nicht zum Segen. Aber ihr begegnet manchmal, es klingt sonderbar, solchen Vätern, die sich gar nicht um ihrer Kinder Seligkeit zu kümmern scheinen. Sie möchten gern, daß ihr Knabe wohl versorgt sie, und möchten gern, daß sich ihre Tochter anständig verheirate; aber ob sie bekehrt seien, das macht ihnen den Kopf nicht schwer. Freilich ist der Vater ein regelmäßiger Kirchgänger und hält sich zur Gemeinschaft der Christen; und er hofft, seine Kinder werden gut ausfallen. Sie haben den Segen seiner Hoffnung - wahrlich, ein großes Vermächtnis? - wenn er stirbt, hinterläßt er ihnen ohne Zweifel seine besten Wünsche, mögen sie denn davon reich werden! Aber nie scheint es ihm eine Seelenangelegenheit gewesen zu sein, ob sie selig werden oder nicht. Hinweg mit einer solchen Religion! werft sie auf den Mist; gebt sie den Hunden, laßt sie, wie Konia, beim Begräbnis eines Esels verbrennen; fort damit aus dem Lager, denn das ist ein unreines Ding. Es ist nicht die Religion Gottes. „So aber Jemand die Seinen, namentlich seine Hausgenossen, nicht versorget, der hat den Glauben verleugnet und ist ärger denn ein Heide und ein Zöllner“ (1.Tim.5,8).

 

Gebt euch nimmer zufrieden, meine lieben Brüder in Christo, bis alle eure Kinder selig sind. haltet Gott seine Verheißung vor. Euer und eurer Kinder ist die Verheißung (Apg.2,39). Das griechische Wort bezeichnet nicht bloß die Kinder, sondern Kinder, Enkel und alle eure Nachkommen, erwachsen oder nicht. Lasset nicht ab mit Flehen, bis daß nicht nur eure Kinder, sondern auch eure Großkinder, wenn ihr solche habt, selig werden. Heute stehe ich hier als ein Beweis, daß Gott seiner Verheißung nicht untreu ist. Ich kann auf vier und fünf Geschlechtsalter zurückblicken und nehme wahr, daß es Gott gefallen hat, die Gebete des Großvaters meines Großvaters zu erhören, welcher Gott beständig darum anflehte, daß seine Nachkommen bis ins letzte Glied vor Ihm wandeln möchten, und Gott hat das Haus nie veröden lassen, sondern es ist ein Wohlgefallen gewesen, einen um den andern zur Furcht und Liebe seines Namens zu bekehren. Sei's bei euch auch also: und wenn ihr darum bittet, so bittet ihr nicht mehr, als was Gott durch seine Verheißung euch zu geben sich verpflichtet hat. Er kann es nicht versagen, wenn er nicht seine Verheißung bricht. Er kann euch eure und eurer Kinder Seelen nicht vorenthalten, sondern muß das Gebet eures Glaubens erhören.

„Ach,“ spricht Jemand, „aber Sie wissen nicht, was ich für Kinder habe. „Nein, teurer Freund, aber das weiß ich, daß wenn du ein Christ bist, daß es Kinder sind, welche Gott zu segnen verheißen hat. „Aber sie sind so unartig, daß es mir das Herz bricht.“ Dann bitte Gott, daß er ihre Herzen breche, so werden sie mit ihrem Treiben dir das Herz nicht mehr brechen. „Aber sie bringen meine grauen Haare mit Jammer hinunter in das Grab.“ Dann bitte Gott, daß er ihre Augen mit Tränen erfülle zum Gebet und Flehen, und zum Kreuz, so werden sie dich nicht in die Grube hinunterbringen. „Aber,“ sprecht ihr, „meine Kinder haben so verstockte Herzen.“ Blick in dein eigenes Herz. Du meinst, sie können nicht selig werden: schau auf dich selber zurück; der dich selig gemacht hat, kann auch sie selig machen. Gehe hin und bete und sprich: „Herr, ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ (1. Mose 32,26); und wenn dein Kind am Sterben ist, und, wie du glaubst, auf dem Punkt, um seiner Sünde willen verdammt zu werden, so flehe dennoch wie der Königliche: „Herr, komm herab, ehe denn mein Kind stirbt, und errette es um deiner Gnade willen.“ Und ja, Du, der Du im höchsten Himmel wohnst, Du wirst Dein Volk nicht verschmähen. Fern sei es von uns, daß wir uns träumen lassen, Du werdest Deine Verheißung vergessen. Im Namen Deines ganzen Volkes legen wir feierlich die Hand auf Dein Wort, und erinnern Dich an Deinen Bund. Du hast gesagt, Deine Gnade währet von Ewigkeit zu Ewigkeit über die, so Dich fürchten; und Deine Gerechtigkeit auf Kindeskind bei denen, die Deinen Bund halten (Ps.103,17.18) Du hast gesagt, die Verheißung sei unser und unsrer Kinder (Apg.2,39).

Herr, Du wirst Deinen Bund nicht verlassen; wir berufen uns heute in heiligem Glauben auf Dein Wort: „Tue, wie Du gesagt hast“ (1. Mose18,5).

(aus der Predigt "Kennzeichen des Glaubens" von Spurgeon über Johannes 4,48)


"Höre Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein! Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft.
 
Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen, und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst; und du sollst sie zum Zeichen auf deine Hand binden, und sie sollen dir zum Erinnerungszeichen über den Augen sein; und du sollst sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore schreiben." (5. Mose 6,4-9)
 

"Züchtige deinen Sohn, solange noch Hoffnung vorhanden ist, und lass dir nicht in den Sinn kommen, ihn dem Tod preiszugeben!"  (Sprüche 19,18)