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Von C. H. Spurgeon

„Und reinigte ihre Herzen durch den Glauben.“ (Apg. 15,9)

Ich bitte euch, sucht Reinheit des Herzens durch den Glauben allein, denn ihr täuscht euch, wenn ihr sie auf anderem Wege suchet. Denkt nicht, daß irgend etwas anderes helfen kann, denn es kann nicht; kein Waschen und Reinigen kann den Mohren weiß machen, nur des Erlösers göttliche Macht kann es tun. Lest eure Bibel so viel ihr könnt, und betet so viel ihr könnt, und hört Predigten so viel ihr könnt, aber nichts von all diesem reicht hin, die gründliche Unreinheit eurer inwendigen Natur zu ändern.

Der Glaube muß das blutende Lamm anschauen und die Kraft des Wassers und Blutes erkennen, das aus der durchbohrten Seite floß und bis dahin muß die Seele in der Unreinheit des Falles bleiben. Alle Anstrengungen unserer ungläubigen Natur bringen uns nur tiefer in den Schlamm und vermehren unsere Unreinheit. Der Glaube ist jener Ysopbüschel, der, wenn er in das Blut Jesu getaucht ist, das Herz von Sünden rein macht, und nichts anderes tut dies.

Blicke denn, du arme Seele, hinweg von dir selber, damit du erneuert werdest. Blicke auf dein schwarzes, verstörtes und widriges Selbst und trauere, aber suche nicht nach Heiligung; das hieße Reichtümer im Bankrott suchen und Tod im Leben, nach der Hölle im Himmel suchen und nach Gott unter den Dämonen; blicke du auf Jesus, den Gott dargestellt hat, um sein Volk von Sünden zu erretten, und indem du auf ihn blickst, wird der Glaube deine Seele reinigen.

Wie ist der Glaube stark genug, dies zu tun? Was ist das Geheimnis seiner Macht? Andere Dinge glauben, das reinigt nicht die Seele; warum tut der Glaube an das Evangelium dies? Vertrauen ist eine sehr einfache Tat; wie geschieht es, das Christus vertrauen das Mittel zur Reinigung des Herzens wird? Ich antworte, weil Gott dadurch wirkt.

Laßt uns unseren Text mit dem vorhergehenden Verse lesen. “„Und Gott, der Herzenskündiger, zeugete über sie und gab ihnen den Heiligen Geist gleichwie auch uns; und machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen, und reinigte ihre Herzen durch den Glauben.“ Wer war es, der ihre Herzen reinigte? Die Antwort ist klar. Es war der allwissende Gott.

Ah, Brüder, ihr müßt nicht bloß auf das Werkzeug sehen, daß der Herr braucht, sondern ihr müßt seine eigene Kraft betrachten, die er in Verbindung damit braucht. Der Glaube allein würde nichts sein, aber wenn Gott durch den Glauben wirkt, so geschehen Wunder. Ihr kennt die alte Erzählung von dem Schwert Scanderbegs, mit dem er die Leute vom Scheitel an in zwei Stücke zu hauen pflegte. Als jemand es sah, erklärte er, er sähe nichts an dem Schwert, das es zu einer verhängnisvollen Waffe mache; aber der andere erwiderte: „Du hättest den Arm sehen sollen, der es zu schwingen pflegte.“

Nun, der Glaube, wenn er allein angesehen wird, scheint verächtlich, aber, o, der Arm, der ihn schwingt! Wer wird jenem ewigen Arm widerstehen? Jakob mag nur ein Würmlein sein, aber Gott kann die Berge mit ihm zerdreschen. Der Glaube mag nur ein armer Besen sein, aber wenn Jesus kommt, den Tempel des Herzens zu reinigen, so fegt er all den angehäuften Schmutz mit diesem schwachen Werkzeug hinaus. Dieser Größere als Herkules kümmert sich wenig um die Schwäche des Instrumentes, sondern, siehe, er reinigt den Augiasstall unserer Natur mit keinem anderen Mittel als kindlichem Glauben. Gott wirkt durch den Glauben, und deshalb tut der Glaube Wunder.

 

Ah, Geliebter, wenn du an den Herrn Jesus Christus glaubst, so haben deine angeborenen Sünden es mit einem anderen Kämpfer zu tun als dir selber. Gott selbst ist mit dir als dein Anführer, und er wird deinen Glauben brauchen wie das Halljahrs-Horn, das Jerichos Mauern niederwarf, oder wie die Krüge und Posaunen, durch welche die midianitischen Myriaden besiegt wurden. Deine Missetaten sollen sich vor seiner Gnade beugen. Traue du nur und dein schlichtes, kindliches Vertrauen wird in Gottes Hand die geweihte Geißel aus Stricken sein, die deine Seele von allen Dieben befreien wird, die sie zu ihrer Höhle gemacht haben.

 

Außerdem deutet der Text an, daß Gott in dem Herzen durch seinen Heiligen Geist wirkt. Nun, wo der Heilige Geist kommt, brennt er als ein himmlisches Feuer und verzehrt die Sünde. Er kommt auch als ein fließender Strom und schwemmt das Übel hinweg, und als ein brausender, mächtiger Wind, der alles wegjagt, was faul und verdorben ist und sich angesammelt hat in der eingeschlossenen Luft der Seele. Der Heilige Geist ist der Geist der Heiligkeit und, wie er immer mit dem Glauben wohnt, da er dessen Urheber, Hilfe und Hüter ist, so könnt ihr sicher sein, daß, wo der Glaube kommt, das Herz schnell gereinigt wird.

 

Die Sache ist, Brüder, der Glaube sieht die Sünde, verabscheut sie und wirft sich in die ewigen Arme, um davon frei zu werden. Der Glaube fühlt die Sünde wie einen ungeheuren Berg, der auf seiner Brust liegt und sein Herz niederdrückt, und schreit: „Ewiger Gott, du hast verheißen, dein Volk von ihren Sünden zu befreien. Siehe, ich rufe deine Kraft an, und mache deine Verheißung geltend; ich werfe mich auf deine Macht, um diese Last von meiner Brust zu heben und mich frei atmen zu lassen, befreit von ihrem furchtbaren Gewicht.“ Alles ist gut, wenn ein solcher Anruf gläubig gemacht wird. Wenn ihr Gott in euren Streit hinein bringt, so ist er beendet.

Wenn ihr die göttliche Stärke ergreift, so fällt Goliath, wenn auch eure Waffe nur Stein und Schleuder ist. Hier ist die Kraft des Glaubens, er trägt die Verheißung seines Gottes als den Gürtel seiner Stärke. Sie hat die Allmacht dessen ergriffen, der Himmel und Erde gemacht hat. Wohl kann er Wunder vollbringen, denn Gott ist seines Rufes gewärtig. Seht also, worin die Macht des Glaubens liegt, wodurch er die Reinigung der Seele bewirkt - es ist Gott, der durch sie wirkt.

 

Aber ihr sagt: „Wie reinigt Gott das Herz? Er kann es nicht durch körperliche Kraft tun.“ Nein. Wer meinte das? Aber er tut es durch seine Weisheit, die noch nie zu Schanden geworden ist, er führt dem Gemüt Gründe vor, die der Sache entsprechen, offenbart Wahrheiten, welche den Verstand überzeugen, und dringt auf das Gewissen mit Tatsachen ein, die das Urteil desselben gewinnen. Wenn menschliche Weisheit den Verstand der Menschen gewinnt, was wir die unfehlbare Weisheit tun?

Zusammen mit allmächtiger Weisheit ist die Kraft unwiderstehlicher Liebe. Denkt ihr, daß nirgends Kraft ist als die, welche nach Pfunden gemessen werden kann und geeicht, wie wir die Dampfkraft in der Lokomotive berechnen? O, Mann, in der Macht der Überredung, in der Stärke der Überzeugung, in der Fürsprache der Liebe sind Kräfte, welche nie dem menschlichen Willen Gewalt antun, aber ihn doch mit heiliger Herrschaft regieren.

Was ist stärker als die Macht der Liebe - Liebe, welche den Hartnäckigsten zuletzt nachgeben macht, Liebe, welche die Boshaftesten zwingt, gegen ihren Willen zu lieben, Liebe, welche die Menschen in Buße und Dankbarkeit hinein bringt, ehe sie noch selbst darum gewahr werden? Gott liebt die Menschen, bis sie ihn lieben müssen. Gott liebt sie mit solcher Allmacht, daß sie zuletzt ihre Waffen der Empörung niederwerfen und gerne sich unterwerfen. Nichts überwindet so wie Liebe.

So ist es, weil der Glaube dieser Weisheit und dieser Liebe vertraut, und diese ihm in seinem Kampf wider die Sünde zu Hilfe kommen, daß die wilden Lüste und fremden Leidenschaften des Herzens unterjocht werden und die Gnade durch Gerechtigkeit zum ewigen Leben regiert.

 

So sage ich denn, indem ich diesen Punkt verlasse, Brüder und Schwestern, gedenkt demütig und hoffnungsvoll daran, daß der Kampf im Grunde nicht der eure ist; der Herr hat den Streit unternommen, und er wird den Sieg gewinnen. Die Überwindung der Sünde soll durch den Allmächtigen geschehen; ihr sollt ringen und streiten, aber Gott in euch ist der Sieger in dem Streite.

Da Gott mit euch ist, ist nichts unmöglich; es gibt keinen Fehler in eurem Temperament, den ihr nicht heilen könntet, keine starke Leidenschaft, die ihr nicht dämpfen, kein noch so heftiger Wunsch im Innern, den ihr nicht zuletzt vernichten könnt. Habt Mut. Hohe Grade von Heiligkeit sind möglich für euch, wenn Gott mit euch ist. Verzweifelt an nichts; zweifelt nicht, denn in allen Dingen sollt ihr weit überwinden durch ihn, der euch geleitet hat. Nur laßt euren Glauben sich beständig auf die Allmacht Gottes werfen, und ihr werdet sehen, daß er eure Herzen reinigen wird.

 
 

Drittens laßt uns betrachten, daß der Ort der Wirksamkeit des Glaubens zuerst vor allem das Herz ist - „reinigte ihre Herzen.“ Ich will hierüber nicht mehr als den Umriß geben von dem, was ich gesagt haben würde, wäre ich im Stande gewesen, rascher zu sprechen. Schwäche der Stimme ist ein trauriges Hindernis für Prediger; betet, daß es entfernt werden möge, denn bei mir wenigstens ist das Gehirn langsam, wenn die Sprache gehindert ist.

 

Der Glaube ändert die Richtung unserer Liebe und die Triebfeder, welche uns beherrscht; das ist, was unter dem Reinigen des Herzens verstanden wird. Er läßt uns das lieben, was gut und recht ist, und bewegt uns mit Gründen, die frei von Selbst und Sünde sind - dies ist in der Tat ein großes Werk. Daher ist die Änderung, die der Glaube hervorbringt, sehr gründlich und tief. Es ist ein Geringes, das Auswendige der Becher und Schüsseln zu waschen, auf das Inwendige des Bechers muß zuerst gesehen werden.

Wenn das Herz umgewandelt ist, so ist die Bekehrung gründlich und vollständig, nicht etwas bloß Oberflächliches, sondern durch und durch eine Erneuerung. „Zerreißet eure Herzen und nicht eure Kleider“, war Gottes Gebot an sein Volk, und der Glaube handelt in diesem Geiste; er beginnt nicht mit den Kleidern, noch Regeln für äußere Handlungen, sondern beginnt mit dem innern Menschen. Der Glaube legt die Axt an die Wurzel, er heilt den Strom an dem Ursprung, und was getan wird, ist deshalb gründlich, wirksam und ehrlich getan.

 

Aber wenn das Herz gereinigt ist, so ist diese Reinigung wirksam durch das ganze Leben. Ein krankes Herz bedeutet einen ganz und gar kränklichen Mann; wenn das Herz nicht richtig ist, so ist jedes andere Organ in seinem Maße nicht richtig, das ganze Leben ist in Unordnung gebracht. Ebensowenig kann euer Herz richtig sein, ohne daß es Einfluß auf die ganze Natur hat und alles in euch um so besser ist und alles, das von euch kommt von Gedanken und Worten und Taten.

Nichts ist besser, als beim Herzen zu beginnen, in dem die Ursprünge des Lebens sind. Alles Übrige ist armseliges Flickwerk, aber ein neues Herz zu haben, das heißt, wirklich erneuert sein. Deshalb ist eine solche Umwandlung dauernd. Halte Begierden zurück, die noch zurückbleiben, und der Hund frisset wieder, was er gespieen hat; reinige das Äußere und lasse die Natur unberührt, und die Sau wälzt sich nach der Schwemme wieder im Kot. Verwandle den Hund in ein Schaf, das Schwein in ein Kind, und du wirst die alten Gewohnheiten nicht zurückkehren sehen, aber ohne dieses ist alles menschliche Gute eine welkende Blume. Solche Reinigung nimmt Gott an, der das Herz erforschet. Der Mensch richtet, was vor Augen ist, aber Gott sieht das Herz an; so bringt der Glaube, indem er das Herz reinigt, eine Reinigung hervor, die Gott wohlgefällt.

 

Die Summa hiervon ist, Brüder und Schwestern, fangt nicht an, die Reinigung eures Herzens zu suchen und dann als Zweites den Glauben an Christus zu suchen. Nein, lasset alles ordentlich zugehen. Empfindungen sind gut, wenn sie gut sind, aber sie sind nicht die Quelle der Reinheit, noch gehen sie dem Glauben voran. Der Glaube ist der Vater rechter Empfindungen; verwechselt ihn niemals mit seinen Kindern. Wenn ihr die Menschen gereinigt wünscht, so arbeitet darauf hin, mit Gottes Segen Glauben in ihnen zu erzeugen.

Das Predigen, was nur die Gefühle aufregt, ist von geringem Wert. Wir haben ein gut Teil gehört von weinenden Versammlungen, aber wir möchten lieber einen einzelnen gläubig sehen. Wir halten es für viel besser, einen Menschen dahin zu bringen, mit seinem Herzen zu glauben, als mit seinen Augen zu weinen; und deshalb bemühe ich mich, lieber Christus den Gekreuzigten zu predigen, um Glauben zu wirken, als rührende Bilder von Todbetten und sterbenden Müttern zu malen, was auf die Empfindungen wirkt, aber nicht leicht zum Glauben führt.

Wenn wir erst glauben, daß Jesus der Christus ist, und in ihm ruhen, dann werden die Empfindungen schon zu ihrer Zeit richtig kommen; das Herz wird verwandelt, sobald der Glaube das Zepter führt. Aber wenn ihr einen Glauben habt, der niemals euer Herz berührt, einen Glauben, der euch nie Freude oder Trauer verursacht, einen Glauben, der euch weder die Sünde hassen noch den Herrn Jesus lieben macht, so beschwöre ich euch, schüttelt diesen Glauben ab, wie Paulus die Otter von seiner Hand abschüttelte, denn es ist ein tödlicher Glaube; und wenn ihr statt dessen ein Herz voll Weh haben solltet und ein tiefes Gefühl eurer Entfremdung von Gott, so wird die Veränderung euch schrecklich erscheinen, aber sie wird zu eurem größten Heil führen.

Nur der lebendige Glaube, welcher auf das Herz wirkt und die Wünsche und Neigungen beeinflußt, kann der Glaube der Erwählten Gottes sein. Ein Mondschein-Glaube, der Licht hat, aber keine Wärme, ist ein Ding der Nacht und ist nicht der Glaube der Kinder des Tages. Der Glaube, welcher in der kalten Dachkammer des Gehirns lebt und niemals ins Wohnzimmer und Festzimmer des Herzens hinabsteigt, wird vor Kälte umkommen und ist nicht das Leben, welches der Heilige Geist in dem Menschen wirkt.

Richtet ihr, was ich sage, aber, wenn ihr alles vergeßt, erinnert doch, daß der Glaube zuerst kommt und dann die Reinigung des Herzens als Folge davon. Spannt niemals den Karren vor das Pferd noch setzt die Wirkung vor die Ursache; erwartet nicht die Frucht der Heiligkeit ohne die Wurzel des Glaubens, und versucht nicht, die Reinheit zu vergrößern, welche ein Folge ist, ohne zuerst den Glauben, der ihr Ursprung ist, zu stärken.

(aus der Predigt "Der Glaube reinigt das Herz")


"Da wir nun aus Glauben gerechtfertigt sind, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir im Glauben auch Zugang erlangt haben zu der Gnade, in der wir stehen, und wir rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes." (Römer 5,1-2)
 
"Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch — Gottes Gabe ist es;  nicht aus Werken, damit niemand sich rühme." (Epheser 2,8-9)