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Aus der Predigt "Glaube und Wiedergeburt" von C. H. Spurgeon

„Wer da glaubt, daß Jesus sei der Christus, der ist von Gott geboren, Und wer Den liebt, der Ihn geboren hat, der liebt auch Den, der von Ihm geboren ist.“ (1. Joh. 5,1)

Wir müssen nun weiter gehen, um zu zeigen, daß der Glaube, wo immer er existiert, der Beweis der Wiedergeburt ist. Es war niemals ein Körnchen solchen Glaubens in der Welt, ausgenommen in einer wiedergeborenen Seele, und wird niemals anderswo sein, solange die Welt steht. Es verhält sich so nach unsrem Texte, und wenn wir kein anderes Zeugnis hätten, so wäre diese eine Stelle genug, es zu beweisen. ,Wer da glaubt, daß Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren.“

 

„Ach!“ höre ich dich sagen, arme Seele, ,die neue Geburt ist ein großes Geheimnis; ich verstehe es nicht; ich fürchte, ich habe keinen Anteil daran.“ Du bist wiedergeboren, wenn du glaubst, daß Jesus der Christus ist, wenn du dich auf einen gekreuzigten Heiland verläßt, so bist du sicher ,wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung.“ Geheimnis oder nicht, die neue Geburt ist dein, wenn du ein Gläubiger bist. Habt ihr je beachtet, daß die größten Geheimnisse sich durch die einfachsten Anzeichen offenbaren?

Die Einfachheit und scheinbare Leichtigkeit des Glaubens ist kein Grund, warum ich seine Existenz nicht als ein unfehlbares Anzeichen der neuen Geburt ansehen sollte. Wie wissen wir, daß das neugeborene Kind lebt, ausgenommen durch sein Schreien? Doch eines Kindes Schrei - was für ein einfacher Ton ist er! wie leicht könnte er nachgeahmt werden! Ein geschickter Arbeiter könnte uns mit Röhren und Fäden leicht täuschen; dennoch gab es nie eines Kindes Schrei in der Welt, der nicht die Geheimnisse des Atmens, des Herzschlages, des Blutumlaufes und all der anderen Wunder, die mit dem Leben selbst kommen, angezeigt hätte.

Seht ihr jene Person, die eben aus dem Fluß gezogen wird? Lebt sie? Ja, Leben ist da. Warum? Weil die Lungen sich noch heben. Aber scheint es nicht eine leichte Sache zu sein, zu machen, daß die Lungen sich heben? Ein Blasebalg, der hineinbläst, könnte der nicht die Bewegung erzeugen? O ja, die Sache ist leicht nachgeahmt in einer gewissen Art; aber keine Lungen heben sich, wo kein Leben ist, kein Blut wird aus und zu dem Herzen gepumpt, wo kein Leben ist.

Nehmt eine andere Illustration. Geht in ein Telegraphenbüro, so werdet ihr Nadeln sehen, die in unaufhörlichem Ticktack sich nach rechts und links bewegen. Elektrizität ist ein großes Wunder, und ihr könnt sie nicht sehen oder fühlen; aber der Telegraphist sagt euch, daß der elektrische Strom sich durch den Draht bewegt. ,Woher wissen Sie das?“ ,Ich weiß es durch die Nadel.“ ,Wieso? Ich könnte die Nadeln leicht bewegen.“ ,Ja, aber seht ihr nicht, daß die Nadel zwei Bewegungen nach rechts, eine nach links und dann wieder zwei nach rechts gemacht hat. Ich lese eine Botschaft.“ ,Aber,“ sagt ihr, ,ich kann nichts darin sehen; ich könnte diesen Ticktack und diese Bewegung leicht nachahmen.“ Doch der, der die Kunst gelernt hat, sieht in diesen Nadeln nicht nur elektrische Tätigkeit, sondern ein noch tieferes Geheimnis vor sich; er bemerkt, daß jemand diese unsichtbare Kraft leitet und durch sie spricht.

 

Nicht allen, sondern den Eingeweihten ist es gegeben, das in der einfachen Sache verborgene Geheimnis zu sehen. Der Gläubige sieht in dem Glauben, der einfach wie die Bewegung der Nadel ist, ein Anzeichen, daß Gott auf den menschlichen Geist wirkt, und der geistliche Mensch nimmt wahr, daß dadurch ein Geheimnis angedeutet wird, das das fleischliche Auge nicht entziffern kann. An Jesus glauben ist ein besseres Anzeichen der Wiedergeburt als irgend etwas anderes und hat niemals jemanden in die Irre geleitet. Der Glaube an den lebendigen Gott und seinen Sohn Jesus Christus ist stets das Ergebnis der Neugeburt und kann nirgends anders existieren als in Wiedergeborenen. Wer da Glauben hat, ist ein Erretteter.

 

Ich bitte euch, mir ein wenig in dieser Beweisführung zu folgen. Ein gewisser Theologe hat kürzlich gesagt: ,Der Akt des Glaubens ist nicht dasselbe wie die Errettung des Menschen; er ist nur in der Richtung darauf hin.“ Dies heißt soviel wie leugnen, daß jeder, der an Christus glaubt, sofort errettet ist; und die Folgerung ist, daß ein Mensch nicht schließen dürfe, daß er errettet sei, weil er an Jesus glaubt. Nun beachtet, wie sehr dies der Schrift widerspricht. Es ist nach dem Wort Gottes sicher, daß der, der an Jesus glaubt, nicht gerichtet wird. Lest Joh. 3, 18 und viele andere Stellen. ,Wer an Ihn glaubt, wird nicht gerichtet.“

Nun, wird nicht jeder Unwiedergeborene gerichtet? Ist nicht ein Mensch, der nicht gerichtet wird, ein Erretteter? Wenn ihr auf göttliche Autorität hin sicher seid, daß der Gläubige nicht gerichtet wird, wie im Namen alles dessen, was vernünftig ist, könnt ihr denn leugnen, daß der Gläubige errettet sei? Wer nicht gerichtet wird, was hat der zu fürchten? Kann er nicht mit Recht davon ausgehen, daß er Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus hat, da er durch den Glauben gerecht geworden ist?

 

Beachtet zweitens, daß von dem Glauben in dem vierten Vers des vorliegenden Kapitels gesagt wird, daß er die Welt überwindet. ,Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“ Wie überwindet denn der Glaube die Welt in Menschen, die nicht errettet sind? Wie kann das möglich sein, wenn der Apostel sagt, daß das, was die Welt überwindet, von Gott geboren ist?

Lest den vierten Vers: ,Alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt“: aber der Glaube überwindet die Welt; und deshalb ist der Mensch, der Glauben hat, wiedergeboren; und was bedeutet das, als daß er errettet ist, und daß sein Glaube das Werkzeug ist, durch das er den Sieg erlangt? Doch weiter: Der Glaube nimmt das Zeugnis Gottes an, und mehr noch, wer Glauben hat, der hat das Zeugnis für die Wahrheit Gottes in sich selbst. Lest den zehnten Vers desselben Kapitels: ,Wer da an den Sohn Gottes glaubt, der hat dieses Zeugnis bei ihm.“ Es heißt nicht: ,Wer da dies oder jenes fühlt,“ sondern: ,Wer da glaubt, der hat dieses Zeugnis bei ihm,“ sein Herz legt Zeugnis ab von der Wahrheit Gottes.

 

Hat irgendein Unerretteter ein erfahrungsmäßiges Zeugnis in sich? Wollt ihr mir sagen, daß die innere Erfahrung eines Menschen Zeugnis von dem Evangelium Gottes ablegt, und daß der Mensch doch in einem verlorenen Zustand ist oder nur Hoffnung hat, schließlich errettet zu werden? Nein, das ist unmöglich. Wer glaubt, in dem ist jene Veränderung gewirkt, die ihn in den Stand setzt, durch sein eigenes Bewußtsein das Zeugnis Gottes zu bestätigen, und ein solcher Mann muß ein Erretteter sein. Es ist nicht möglich, zu sagen, daß er ein Nicht-Erretteter sei.

 

Beachtet auch im dreizehnten Vers dieses Kapitels, daß der Glaube auch das ewige Leben ist; die Worte lauten: ,Dies habe ich euch geschrieben, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt, damit ihr wißt, daß ihr das ewige Leben habt.“ Unser Herr selber und seine Apostel haben an verschiedenen Stellen erklärt: ,Wer an Ihn glaubt, der hat das ewige Leben.“

Sagt mir nicht, daß ein Sünder, der an Jesus glaubt, einen Fortschritt machen muß, ehe er sagen kann, daß er errettet sei; daß ein Mensch, der Christus vertraut, nur auf dem Weg der Errettung sei und warten muß, bis er die befohlenen Handlungen vorgenommen und in der Gnade gewachsen sei, ehe er wissen kann, daß er errettet ist. Nein, in dem Augenblick, wo der Sünder sein Vertrauen auf das vollbrachte Werk Jesu setzt, ist er errettet. Himmel und Erde mögen vergehen, aber dieser Mann wird nie umkommen. Wenn ich nur vor einer Sekunde dem Heiland vertraut habe, bin ich sicher; ganz so sicher wie der Mann, der schon fünfzig Jahre an Jesus geglaubt und die ganze Zeit über rechtschaffen gewandelt hat.

 

Ich sage nicht, daß der Neubekehrte so glücklich ist oder so nützlich oder so heilig oder so reif für den Himmel, aber ich sage, daß das Wort: ,Wer an Ihn glaubt, der hat das ewige Leben,“ eine Wahrheit ist, die allgemein gilt, ebensosehr von dem Kind im Glauben wie von dem Mann, der ,das Maß des vollkommenen Alters Christi“ erreicht hat. Es ist, wie wenn das Kapitel in der Absicht geschrieben wäre, dem groben Irrtum zu widersprechen, daß der Glaube keine augenblickliche Errettung bringe. Darum erhebt es den Glauben wieder und immer wieder; ja, und ich kann hinzufügen, unser Herr selbst krönt den Glauben, weil der Glaube nie die Krone trägt, sondern alle Ehre dem teuren Erlöser bringt.

 

Nun laßt mich ein paar Worte in Erwiderung auf einige Fragen sagen. Aber muß nicht ein Mensch sowohl Buße tun als auch glauben? Antwort: Niemand hat je geglaubt, ohne daß er zur selben Zeit auch Buße getan hat. Glaube und Buße gehen zusammen. Sie müssen es. Wenn ich Christus vertraue, daß Er mich von der Sünde retten wird, so tue ich zu gleicher Zeit Buße für die Sünde, und mein Sinn ist in Bezug auf die Sünde und auf alles andere, was damit zusammenhängt, geändert.

Alle Früchte der Buße sind im Glauben selbst enthalten. Ihr werdet niemals finden, daß ein Mensch, der Christus vertraut, ein Feind Gottes bleibt oder ein Liebhaber der Sünde. Die Tatsache, daß er die angebotene Versöhnung annimmt, ist ein sicherer Beweis dafür, daß die Sünde ihn anwidert und daß sein Herz in Bezug auf Gott ganz verändert ist. Mehr als das, ist nicht alle Gnade, die sich später in dem Christen finden, dem Keim nach schon in dem Glauben enthalten? "Glaube nur, so sollst du errettet werden" ist der Ruf, über den viele hohnlächeln und den andere mißverstehen; aber wißt ihr, was "nur glauben" bedeutet? Wißt ihr, was für ein umfassender Sinn in dem Worte liegt?

Lest jenes berühmte Kapitel an die Hebräer, und seht, was der Glaube getan hat und wozu er noch fähig ist, zu tun, und ihr werdet sehen, daß es keine Kleinigkeit ist. Wo immer Glauben in einem Menschen ist, da braucht er sich nur zu entwickeln, dann wird eine Reinigung von der Sünde da sein, eine Absonderung von der Welt, ein Kampf mit dem Bösen und ein Streiten für die Ehre Christi, wie es durch nichts anderes erzeugt werden könnte.

Der Glaube ist an sich eine der edelsten Gnaden; er ist der Inbegriff aller Tugenden; und wie manchmal in einer einzigen Ähre genug Samen liegt, einen ganzen Garten fruchtbar zu machen, so liegt in diesem einen Wort ,Glaube“ genug Tugend, um die ganze Erde gesegnet zu machen; Gnade genug, wenn der Geist Gottes ihn wachsen läßt, um den Gefallenen in den Vollkommenen zu wandeln. Der Glaube ist nicht das leichte Ding, für das die Menschen ihn halten.

Fern liegt es uns, das Heil dem bloßen Bekenntnis gewisser Lehren zuzuschreiben, der Gedanke ist uns schon zuwider; ebensowenig schreiben wir das Heil demjenigen zu, der sich selbst einredet, daß er es besitzt; aber wir schreiben das Heil Jesus Christus zu, und seine Erlangung jener einfachen kindlichen Zuversicht, die sich voll Liebe in die Arme Dessen wirft, der seine Hände den Nägeln hingab und bis zum Tod für die Sünde seines Volkes litt. Wer so glaubt, ist errettet - darüber seid sicher. "Wer da glaubt, daß Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren."


"Wer ist der Lügner, wenn nicht der, welcher leugnet, dass Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht. Wer den Sohn bekennt, der hat auch den Vater.

 

Was ihr nun von Anfang an gehört habt, das bleibe in euch! Wenn in euch bleibt, was ihr von Anfang an gehört habt, so werdet auch ihr in dem Sohn und in dem Vater bleiben. Und das ist die Verheißung, die er uns verheißen hat: das ewige Leben." (1. Johannes 2,22-25)