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Von M. Friedrich Sander, Pastor zu Wichlingshausen. Anno 1830

„Und dies wird sein Name sein: Herr, der unserer Gerechtigkeit ist.“ Jer. 23,6.

Besonders nachdrücklich und deutlich hat sich Luther über die Lehre von der Rechtfertigung in der Beantwortung verschiedener Fragen, die im Jahr 1536 von Melanchthon über diesen Punkt an ihn gerichtet wurden, ausgedrückt. „Es ist mein fester Glaube, sagt Luther, daß der Sinn des Evangeliums und der Apostel kein andrer ist, als daß wir aus Gnaden durch bloße Zurechnung der Gerechtigkeit Christi vor Gott gerecht werden und bleiben.

Diese Gerechtigkeit Christi allein ist die vollkommene, welche dem Zorn (Gottes), der Sünde, dem Tode entgegen gehalten werden kann. Dieselbe verschlingt alles, und stellt den Menschen als wahrhaft heilig und unschuldig dar, so als wäre gar keine Sünde an ihm (nicht als hätte er in sich diese Heiligkeit, sondern in Christo, den der Glaube ergreift.)

Denn die aus Gnaden zugerechnete Gerechtigkeit leidet nicht, daß da Sünde sei.“ Man müße nicht denken, daß man zwar hauptsächlich aus Gnaden, aber doch auch mit um der Werke willen gerecht werde, oder noch weniger, daß der Glaube an die Barmherzigkeit Gottes das ergänze, was den Werken und der vollkommenen Gesetzeserfüllung noch mangle; nein, bei der Rechtfertigung kämen die Werke gar nicht in Betrachtung; dieselben, auch wenn sie in der Kraft des heil. Geistes verrichtet, sähe Gott nicht an, sondern nur die Gerechtigkeit Christi.

Sie könnten nicht fehlen, wo der wahre Glaube sei, so wenig die Sonne es lassen könne zu leuchten; sie wären daher ein Zeichen, ob der rechte Glaube da sei oder nicht; – aber durchaus nicht das, was Gott bestimme, uns gerecht zu sprechen. Ehe er die Werke ansähe, sähe er die Person an, und der Gehorsam eines Paulus gefalle ihm, weil es der Gehorsam eines Gläubigen sei. – (Obedientia placet propter Paulum credentum, alioqui non placeret ejus obedientia.) –

Auch sei es ganz falsch zu denken, als ob man nur im Anfang durch den Glauben gerecht werde, in der Folge aber, nachdem man Vergebung der Sünden und Gnadenkräfte erhalten habe, gute Werke zu tun, auch die Werke mit zur Rechtfertigung beitrügen und vor Gott angenehm machten. „Es ist verkehrt, sagt Luther, so zwischen anfänglichem und spätern Glauben Unterschied machen.

Die Werke glänzen ja nur mit dem Lichte des Glaubens, (opera fulgent radiis fidci) und gefallen nur um des Glaubens willen, nicht umgekehrt. Wenn es anders wäre, so würden ja die nachherigen Werke mehr als der Glaube zur Rechtfertigung beitragen, weil sie länger (in der Mitte und am Ende des Lebens) rechtfertigten, und so würde der Glaube nur im Anfange ein rechtfertigender sein, nachher aber zurücktreten und aufhören, und den Werken den Ruhm überlassen, und würde auf diese Weise ein nichtiges Ding werden, das bloß der Vergangenheit angehörte.“

Auch müsse man sich hüten, daß man den Glauben, der uns gerecht macht, nicht als ein Werk ansehe, das vom Gesetz Gottes gefordert werde, wie auch Liebe, Gehorsam, Keuschheit, daß also, wer da glaubet, das Gebot Gottes erfülle, und um solches Wohlverhaltens willen gerechtfertigt werde. „Der Glaube, sagt Luther, rechtfertigt nicht darum, weil er eine Gabe des heil. Geistes ist, sondern nur um seiner Beziehung zu Christo willen. Mit der Untersuchung, woher der Glaube komme, was er für ein Werk sei, in wiefern er alle andere Werke übertreffe, haben wir hier nichts zu tun; denn der Glaube rechtfertigt nicht um sein selbst willen, oder durch irgend eine ihm inwohnende Herrlichkeit (fides non per se, aut virtute aliqua intrinseca justificat.)

Denn alsdann könnte er die Rechtfertigung nur zum Teil bewirken, und die Gewißheit des Trostes würde aufgehoben, da der Glaube nie vollkommen, sondern auch in den Heiligen noch schwach und matt ist. Wir werden daher durch den Glauben gerecht gesprochen, um der verheißenen Barmherzigkeit oder um Christi des Mittlers willen, in dessen Wunden der Glaube sich verbirgt, und dessen Verdienst er sich aneignet. –

Diese Gabe, die uns frei geschenkt ist, (donatum hoc donum) macht eine neue Person, und die neue Person verrichtet auch neue Werke; nicht aber umgekehrt machen neue Werke eine neue Person. – Zur Rechtfertigung der Person helfen daher die Werke vor dem Richterstuhl Gottes nichts, obgleich sie der Person zur Zierde gereichen und Belobungen ihr verschaffen werden. Aber die Person rechtfertigen können sie nicht. Denn in Christo sind wir alle gleichermaßen gerecht, gleichermaßen geliebt, und um seinetwillen gefällt unsre Person wohl, obgleich ein Stern den andern an Klarheit übertrifft. Aber Gott liebt das Gestirn des Saturns eben so als Sonne und Mond.“

Melanchthon faßt dieß alles, Luthers Lehre bestätigend, in einem Briefe zusammen, den er gleich darauf an Brentius schrieb.

„Ich sehe, schreibt Melanchthon, daß du noch wegen des Glaubens zu schaffen hast. Du hängst noch an der Meinung Augustin’s. Derselbe hat zwar darin Recht, daß er die Gerechtigkeit, welche die Vernunft anpreiset, verwirft. Aber darin folgt er menschlichen Gedanken, wenn er annimmt, daß wir wegen der Erfüllung des Gesetzes gerechtfertigt werden, wozu der heil. Geist uns tüchtig macht. So meinst du auch, daß wir insofern durch den Glauben gerechtfertigt werden, weil wir durch den Glauben den heil. Geist empfangen, daß wir nun durch die Erfüllung des Gesetzes, wozu uns der heilige Geist tüchtig macht, gerecht werden.

Diese Lehre schreibt die Rechtfertigung unsrer Gesetzerfüllung, unsrer Reinigkeit und Vollkommenheit zu. Allerdings muß diese Erneuerung auf den Glauben folgen. Aber wende deine Augen von dieser Erneuerung und vom Gesetz überhaupt hinweg, und richte sie nur auf die Verheißung und auf Christum, und wisse, daß wir nur um Christi willen gerecht, das heißt, Gott angenehm werden und Frieden für unser Gewissen finden, nicht aber um unserer Erneuerung willen.

Diese Erneuerung ist nicht hinreichend. Daher werden wir allein durch den Glauben gerecht, nicht weil er die Wurzel (des guten Baumes) ist, wie du schreibst, sondern weil er Christum ergreift, um des willen wir angenehm sind, abgesehen von aller Erneuerung. Diese muß zwar notwendig folgen, aber sie kann das Gewissen nicht beruhigen. Nicht also die Liebe, welche des Gesetzes Erfüllung ist, rechtfertigt, sondern der Glaube allein, aber nicht, weil er eine gewisse Vollkommenheit in uns ist, sondern nur, weil er Christum ergreift.

(Aus: "JEHOVA ZIDKENU: der Herr, unsre Gerechtigkeit! Das Losungswort der Reformatoren." Von M. Friedrich Sander, Pastor zu Wichlingshausen. 1830)


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"Jetzt aber ist außerhalb des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes offenbar gemacht worden, die von dem Gesetz und den Propheten bezeugt wird, nämlich die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus, die zu allen und auf alle [kommt], die glauben.
 
Denn es ist kein Unterschied; denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten, so dass sie ohne Verdienst gerechtfertigt werden durch seine Gnade aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist.
 
Ihn hat Gott zum Sühnopfer bestimmt, [das wirksam wird] durch den Glauben an sein Blut, um seine Gerechtigkeit zu erweisen, weil er die Sünden ungestraft ließ, die zuvor geschehen waren, als Gott Zurückhaltung übte, um seine Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit zu erweisen, damit er selbst gerecht sei und zugleich den rechtfertige, der aus dem Glauben an Jesus ist." (Römer 3,21-26)