default_mobilelogo

Ein großes Problem heutzutage ist, dass wir uns an die Worte Jesu so sehr gewöhnt haben, dass wir ihre revolutionäre Bedeutung gar nicht mehr erkennen. Es ist tragisch, dass wir sie lesen können und uns dabei wohlfühlen. Sie wurden nicht ausgedacht, um uns zu beruhigen oder uns zu schmeicheln. Sie sollen unser Leben verändern und uns als brennende Lichter aussenden, als Boten voll glühender Leidenschaft. Oft denken wir, es muß doch wunderbar gewesen sein, mit Jesus unterwegs gewesen zu sein, als er hier auf Erden lebte. Wir stellen uns vor, wie er mit seinen Jüngern umherzieht, die dabei eine nie endende Bibelkonferenz erleben. Aber so war es nicht. Es war eher eine harte Erfahrung, in der die Jünger ihre eigene Sündhaftigkeit und ihre Verfehlungen erkannten und sie auf einen Weg der Verfolgung, der Leiden und des Todes berufen wurden. Wenn wir die Aussagen Jesu lesen und immer noch unberührt bleiben, dann verstehen wir sie nicht richtig.

Wenn wir seine Forderungen lesen und denken, sie seien leicht zu erfüllen, haben wir sie nicht verstanden. Die Anforderungen Jesu sind menschlich unmöglich! Wahre Nachfolge (Jüngerschaft) kann nur in der übernatürlichen Kraft des innewohnenden Heiligen Geistes gelebt werden. Der Mensch unserer Zeit hat eine gefährliche Kunstfertigkeit darin entwickelt, die radikalen Lehren des Herrn Jesus zu verharmlosen, sie zu umgehen oder zu verwässern. Anstatt dass wir seine Aussagen wörtlich nehmen, erfinden wir viele theologische und menschliche Gründe, um sie wegzuerklären. Deswegen unterscheidet sich das Leben der heutigen Christen grundlegend von dem der Christen des Neuen Testaments. Heute genügt es uns, den Gottesdienst zu besuchen und, wenn wir gerade Lust haben, etwas Geld einzulegen und Jesus ab und zu einen Abend zu opfern, an dem wir gerade nichts Besseres vorhaben. Ist das wahres Christentum? Nein! Christentum ist ein Leben radikaler Nachfolge (Jüngerschaft), aufopfernden Dienstes und völliger Hingabe an den Sohn Gottes. Es bedeutet, zuerst nach Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit zu trachten.

A. W. Tozer schrieb in seinem Buch "Born After Midnight":

"Christus ruft die Menschen auf, ein Kreuz zu tragen; wir rufen sie dazu auf, in seinem Namen Spaß zu haben. Er beruft sie, die Welt aufzugeben; wir versichern ihnen, dass sie nur Jesus aufzunehmen brauchen und dass dann die Welt ihnen gehört. Er ruft sie auf zu leiden; wir fordern sie auf, alle bürgerlichen Bequemlichkeiten zu genießen, die die moderne Zivilisation zu bieten hat. Er beruft sie zu Selbstverleugnung und zum Tod und wir fordern sie zu Selbstverwirklichung auf. Er fordert sie zur Heiligkeit auf; wir verkünden ein billiges und glitzerndes Glück, das selbst von den geringsten der stoischen Philosophen verächtlich zurückgewiesen worden wäre."

An einer anderen Stelle sagt Tozer:

"Unser Herr hat Menschen aufgefordert, ihm nachzufolgen, aber er hat niemals gesagt, der Weg würde einfach sein. Tatsächlich gewinnt man den deutlichen Eindruck, dass er die Nachfolge extrem schwierig darstellte. Manchmal sagte er zu seinen Jüngern oder zu solchen, die es werden wollten, Dinge, die wir diskret verschweigen, wenn wir Menschen für ihn gewinnen wollen. Welcher Evangelist würde es heute wagen, einem Interessierten zu sagen:

"Wenn jemand mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach." (Mat. 16, 24 / Mk. 8, 34 / Lk. 9, 23)

"Denn wer irgend sein Leben erretten will, wird es verlieren; wer aber irgend sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden."   (Lk. 17, 33 / Lk. 9, 24 / Mk. 8, 34 / Mat. 16, 25 / Mat. 10, 39)?

Und wir kommen in Verlegenheit und wollen weitschweifig erklären, wenn jemand uns fragt, was Jesus meinte, als er sagte:

"Wähnt nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert …"  (Mat. 10, 34)

Diese Art des harten und anstößigen Christenlebens ist vielleicht was für einen Missionar oder irgendeinen Gläubigen in einem Land, in dem Christen verfolgt werden. Die meisten bekennenden Christen haben einfach nicht die moralische Kraft, die sie brauchen würden, um einen Weg zu beschreiten, der so absolut und endgültig ist. Das gegenwärtige moralische Klima hier in unserem Land begünstigt keinen Glauben, der so groß und anspruchsvoll ist, wie der, den unser Herr seine Apostel lehrte. Die schwächlichen und empfindlichen Heiligen, die unser religiöses Treibhaus hervorbringt, können kaum mit den hingegebenen und opferbereiten Gläubigen verglichen werden, die einmal der Menschheit Zeugnis gaben. Und der Fehler liegt bei unseren Leitern; sie scheuen sich zu sehr, den Menschen die ganze Wahrheit zu sagen.

Heutzutage fordern sie die Menschen auf, Gott das zu geben, was sie nichts kostet. Unsere Kirchen sind heute gefüllt (oder besser gesagt: nur zu einem Viertel gefüllt) mit Christen, die eine "Nahrung" aus oberflächlichen Darbietungen während des Gottesdienstes (Musik und Tanz, Anspiele und sonstige Showeinlagen) bekommen müssen, damit ihr Interesse nicht erlahmt. Von Theologie verstehen sie wenig. Kaum einer hat auch nur ein einziges bedeutendes christliches Werk gelesen. Aber die meisten kennen religiöse Romane (wie z.B. "Die Hütte") und packende Filme (wie z.B. "Die Passion"). Kein Wunder, dass ihre moralische und geistige Gesundheit so zerbrechlich und anfällig ist. Man kann sie nur als schwache Anhänger eines Glaubens bezeichnen, den sie nie wirklich verstanden haben.

E. Stanley Jones spricht etwas Ähnliches in seinem Buch "Christ’s Alternative to Communism" an:

"Die Menschen bekämpfen das Christentum nicht; sie machen es einfach unwirksam. Sie impfen andere mit einer milden Form von Christentum, sodass sie gegen das echte immun werden."

Der Herr Jesus sucht heute Menschen, die bereit sind, seine Lehren wörtlich zu nehmen und ihnen zu gehorchen, selbst wenn das sonst niemand tut. Er sucht Männer und Frauen (natürlich auch junge Menschen), die ihren egozentrischen Lebensstil satt haben; die sich darüber im Klaren sind, dass materielle Dinge nicht glücklich machen, die erkennen, dass Christen für eine höhere Aufgabe berufen sind, als großes Geld zu machen. Der Herr Jesus sucht Menschen, die die Versklavung unter den Mode- und Schönheitskult, die Verdummung durch Medien und Zeitschriften hassen und bei denen Dinge wie Essen, Trinken und gesellschaftliche Ereignisse und Events nicht die höchste Priorität haben. Es ist traurig, dass selbst ein Kommunist oder ein Sektenmitglied übereinstimmender mit seinen Überzeugungen lebt als ein "normaler Christ".

Leute sind bereit, für ihre politischen und gesellschaftlichen Ziele mehr zu tun als wir für den Retter der Welt. Sie zeigen mehr Hingabe für falsche Religionen als wir für Christus. Sie sind durch Geld mehr motiviert als wir durch die Liebe des Heilands. Gott sei Dank hungern besonders junge Menschen nach etwas Besserem. Doch wir sitze in einer Falle. Weil wir jeden Luxus, jede Annehmlichkeit, jede Möglichkeit zum Zeugnisgeben haben, gibt es für uns keine Herausforderungen mehr. Es gibt nichts, wofür man kämpfen muss. Deswegen können (junge) Leute gar nicht anders sein als selbstzufrieden und fleischlich. Ziel muß es sein, alle unsere egoistischen Wünsche abzuwerfen und das um Christi willen. Doch das scheint ein verlorener und aussichtsloser Kampf zu sein. Wir brauchen also eine Herausforderung, eine Chance, um uns selbst zu vergessen und für den Herrn zu leben.

Zuallererst lehrt der Herr Jesus seine Jünger, dass sie einen revolutionären Lebensstandard annehmen sollten.

"Also nun jeder von euch, der nicht allem entsagt, was er hat, kann nicht mein Jünger sein." (Lukas 14,33)

"Wenn wir aber Nahrung und Bedeckung haben, so wollen wir uns daran genügen lassen." (1. Timotheus 6,8)

Jesus sagt, wir sollen alles aufgeben, was wir haben. Paulus sagt, wir sollen uns mit Nahrung, Kleidung und Unterkunft zufriedengeben. Das ist ein revolutionärer Lebensstandard. Es ist ein einfaches Leben. Es führt zu einem aufopfernden Leben. Nicht nur das, sondern der Herr Jesus belehrt uns auch darüber, dass wir ein revolutionäres Gesellschaftsleben führen sollten. In Lukas 14,12-14 sagt er: "Wenn du ein Mittagsmahl oder ein Abendmahl machst, so lade nicht deine Freunde, noch deine Brüder, noch deine Verwandten, noch reiche Nachbarn ein, damit nicht etwa auch sie dich wieder einladen und dir Vergeltung werde.

Sondern wenn du ein Mahl machst, so lade Arme, Krüppel, Lahme, Blinde, und glückselig wirst du sein, weil sie nicht haben, dir zu vergelten; denn es wird dir vergolten werden in der Auferstehung der Gerechten." Diese Worte des Herrn Jesus versetzen der heute üblichen Gewohnheit einen Stoß. Denn man lädt gern die ein, die eine Gegeneinladung machen werden. Und das ist in der modernen Gesellschaft so üblich, manchmal aber auch schon ein lästiges Übel. Aber der Herr Jesus sagt, man solle um Christi willen nicht so verfahren, wenn man Gäste einlädt. Laden Wir solche ein, die es uns nicht vergelten können, und es wird uns in der Auferstehung der Gerechten vergolten werden. 

Doch dies ist nur der erste Schritt von vielen. Wir werden schnell feststellen, dass die Umsetzung dieses ersten Schrittes keine leichte Aufgabe ist. Aus eigener Kraft werden wir es auch nicht schaffen. Vielleicht müssen wir auch, wie der reiche Jüngling aus Matthäus 19, 22 betrübt aufgeben, weil unser Herz noch an weltlichen Dingen hängt. Doch wir können Jesus im Gebet um Erkenntnis bitten, das er uns den richtigen Weg zeigt und das er uns hilft und stärkt diesen Weg zu gehen.